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Grüne

Grüner und grauer Daumen in Wipkingen

30. September 2020 von

Misslungene Hofgestaltung bei der BEP-Siedlung Letten 4.
Foto: Roland Hurschler

Misslungene Hofgestaltung bei der BEP-Siedlung Letten 4.

Von

Online seit
30. September 2020

Printausgabe vom
01. Oktober 2020
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2017 wurde der Gegenvorschlag zur Grünstadt-Initiative von der Zürcher Bevölkerung deutlich angenommen. In Wipkingen geht die Tendenz seitdem in die Gegenrichtung und die Versiegelung von Grünflächen schreitet voran. Drei aktuelle Beispiele.

Eigentlich wollte ich ein besonders positives und ein negatives Beispiel präsentieren. Nur war bis zum Redaktionsschluss keine Kandidatin für den «Grünen Daumen» zu finden. Also keine Parzelle im Quartier, die in den letzten fünf Jahren vorbildlich renaturiert oder entsiegelt wurde. Ganz anders für den «grauen Daumen».

Naturferne Innenhöfe und künstliche Pärke

Egal ob Genossenschaften sanieren oder die Stadt baut. Das Resultat ist immer dasselbe: Um Unterhaltskosten zu sparen und die Nutzung zu «optimieren» werden Innenhöfe asphaltiert, gekiest und mit Steingärten «verschönert». Dazu ein paar homöopathische Rasentupfer und vereinzelte Bäumchen, wie bei der eben fertigsanierten BEP-Siedlung Letten 4 (Siehe Titelbild).

 

Asphalt statt Fussballrasen auf der Lettenwiese.

Asphalt statt Fussballrasen auf der Lettenwiese.

 

Auch Laien wird auf den ersten Blick klar, dass solche Flächen ökologisch und klimatisch wertlos sind. Dabei weist die Fachwelt seit Jahrzehnten darauf hin, dass wir städtische Aussenräume so gestalten müssen, dass sie sich während der zunehmenden Sommerhitze weniger aufheizen. Hier müssen die Stadt und Private zwingend in die Pflicht genommen werden. Die Stadt hätte mit ihren Delegierten in den Genossenschaftsvorständen längst die Möglichkeit gehabt, die Aussenraumgestaltung von Sanierungen positiv zu beeinflussen. Dies erst recht in eigenen Bauprojekten, wie in der 2019 eröffneten städtischen Überbauung Kronenwiese oder aktuell bei der Gestaltung des Miniparks südlich der Studentensiedlung an der Rosengartenstrasse. Doch auch hier zeigt sich dasselbe Bild: Sauber gestutzte Bünzli-Rasen, anstatt Wildwiesen, keine ökologischen Nischen für die Entwicklung der Stadtflora und -fauna, durchorganisierte sterile Langeweile. 

Grünflächen weichen Schulprovisorien

Wie auch in anderen Stadtquartieren müssen in Wipkingen die letzten Freiflächen für die mangelhafte Schulraumplanung der vergangenen Jahre herhalten. Unter Zeitdruck ist es immer die einfachere und günstigere Lösung, Brachen oder Wiesen zu überbauen, anstatt bestehende Gebäude umzunutzen. Trauriges Beispiel ist die Lettenwiese. Hier wurde diesen Frühling in einer Hauruckübung ein Schulprovisorium ausgesteckt und bereits im Sommer gebaut – trotz Widerstand der Grünen und engagierter Quartierbewohner*innen. Mit dem Preis, dass fast die Hälfte der Lettenwiese für die kommenden fünf bis zehn Jahre verbaut ist. So ist eine weitere kühlende Grünfläche verschwunden und es bleibt noch weniger Platz für die Sportvereine und Jugendlichen aus dem Quartier.

Wer macht den ersten Schritt?

Die Hoffnung bleibt, dass es wie bei den Velowegen nach Jahrzehnten der Stagnation auch bei den Grünräumen Bewegung gibt. Das wachsende Klimabewusstsein und der stärker Grün geprägte Gemeinde- und Stadtrat helfen. Genauso ein Umdenken bei den Stadtbewohner*innen selbst. So freue ich mich auf die Meldung von positiven Beispielen und Projekten an kreis6-10@ gruenezuerich.ch und werde gerne demnächst an gleicher Stelle über die Kandidatinnen für den «grünen Daumen» berichten.

Roland Hurschler, Vorstand Grüne 6/10

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