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Stadtspital Waid

«Gruuven Sie mit uns!»

30. September 2020 von

Prof. Dr. Dr. med. Heike Bischoff-Ferrari, Chefärztin Universitäre Klinik für Akutgeriatrie am Stadtspital Waid und Triemli sowie Klinikdirektorin Universitäre Geriatrie USZ.
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Prof. Dr. Dr. med. Heike Bischoff-Ferrari, Chefärztin Universitäre Klinik für Akutgeriatrie am Stadtspital Waid und Triemli sowie Klinikdirektorin Universitäre Geriatrie USZ.

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Online seit
30. September 2020

Printausgabe vom
01. Oktober 2020
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Das Stadtspital Waid entwickelt sich immer mehr zum Leuchtturm für Altersmedizin. Seit Mai 2020 trägt Prof. Heike Bischoff-Ferrari tatkräftig dazu bei. Sie ist die neue Chefärztin der Universitären Klinik für Akutgeriatrie am Stadtspital Waid und Triemli. Die Medizinerin hat uns von ihren ersten Eindrücken und vom Projekt GRUUVE erzählt.

Seit 1. Mai 2020 sind Sie die neue Chefärztin der Universitären Klinik für Akutgeriatrie am Standort Waid. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Prof. Heike Bischoff-Ferrari: Sehr positiv! Es ist eine riesige Chance, mit dem erfahrenen und hochmotivierten, interprofessionellen Team Altersmedizin im Waid zusammenarbeiten zu dürfen. Basis und enorm wichtig für eine moderne Altersmedizin ist zudem ein sehr gutes akutmedizinisches Umfeld, wie es am Stadtspital vorhanden ist. Der ältere Patient ist anspruchsvoll. Wir brauchen den Zugang und die Zusammenarbeit mit den besten Notfall- und internistischen Abklärungsteams, Traumatologen und Chirurgen sowie eine umfassende radiologische Diagnostik, um unsere Patientinnen und Patienten optimal zu behandeln. Für sie sind die kurzen und schnellen Wege des Betreuungsteams über alle Kliniken hinweg sehr wichtig. Wertvoll für eine schnelle Genesung ist zudem, dass wir im Waid eine ideale Architektur für eine moderne Altersmedizin sowie eine wunderbare Sicht auf See und Berge haben. Diese motiviert, schneller wieder auf die Beine zu kommen. Für Patientinnen und Patienten mit einem längeren Genesungsweg steht die Akut- und Übergangspflege am Käferberg direkt vor Ort zur Verfügung.

Was sind die wichtigsten Stationen Ihrer Ausbildung?

Meine altersmedizinische, internistische und rheumatologische Facharztausbildung absolvierte ich am Universitätsspital Basel, am Felix-Platter-Spital in Basel und am Universitätsspital Zürich. Von 2000 bis 2005 arbeitete ich in Boston am Brigham and Women’s Hospital, war Fakultätsmitglied der Harvard Medical School und habe an der Harvard School of Public Health ein zusätzliches Studium und Doktorat in Volksgesundheit und Prävention sowie Ernährungswissenschaften absolviert. Seit 2008 leite ich das Forschungszentrum Alter und Mobilität der Universität Zürich, des Universitätsspitals Zürich und des Waid. 2013 wurde ich als erste Lehrstuhlinhaberin Geriatrie und Altersforschung an die Universität Zürich berufen. Ab 2014 habe ich als Direktorin die ebenfalls erste Klinik für Geriatrie am Universitätsspital Zürich aufgebaut. Seit 2019 bin ich Chefärztin des Universitären Geriatrieverbunds der Stadt Zürich.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgaben?

Wir wollen auf die vorhandenen wertvollen ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Kompetenzen aufbauen und die Altersmedizin am Standort Waid gemeinsam weiterentwickeln. Unser Ziel ist eine universitär ausgerichtete, zeitgemässe und lebendige Altersmedizin mit nationaler Bedeutung in der interprofessionellen und interdisziplinären Behandlung älterer Patientinnen und Patienten. Im Stadtspital Waid und Triemli sowie über die Brücke zum Universitätsspital und den Partnern im universitären Geriatrieverbund haben wir eine einmalige Möglichkeit, für ältere Menschen in Zürich und auch überregional ein sehr gutes und integriertes Versorgungskonzept aufzubauen – von der Prävention über die Akutmedizin bis zur Langzeitpflege.

Was planen Sie?

In den Gesprächen mit den anderen Chefärztinnen und Chefärzten im Stadtspital Waid und Triemli erlebte ich viel Offenheit für gemeinsame Innovationen. Neben der sehr gut etablierten Zusammenarbeit mit der Unfallchirurgie planen wir im Waid zum Beispiel eine gemeinsame InkontinenzSprechstunde mit der Gynäkologie, Urologie und dem gesamten Beckenboden-Team. Ziel ist es, Tabuthemen wie Inkontinenz für unsere Patientinnen und Patienten niederschwellig und umfassend an einem Ort anzugehen.

Gibt es weitere Beispiele?

Erwähnen möchte ich unser erstes Innovationsprojekt GRUUVE, ein musikalisch unterstütztes Bewegungsprogramm für ältere Menschen. Dieses Projekt läuft seit April 2020. Wir produzieren neue Bewegungseinheiten kontinuierlich weiter. Schirmherrin ist die Schriftstellerin Donna Leon. Um dieses Programm optimal zu ergänzen, haben die Küchenchefs und Ernährungsexpertinnen am Standort Waid einen Züri-Cocktail entwickelt, täglich frisch zubereitet für alle Patientinnen und Patienten der Altersmedizin. Dieses köstliche Getränk weist einen hohen Molke-Eiweiss-Anteil auf, der den Muskelaufbau, die Infektabwehr und die Wundheilung unterstützt.

Wie stehen Sie persönlich zum Älterwerden?

Ich lerne täglich von meinen Patientinnen und Patienten. Es ist schön, wenn man mit einer hohen Lebensqualität älter werden darf, umgeben von Familie und Freunden – bei guter Gesundheit. Das braucht Einsatz und Vorbereitung, insbesondere, wenn man die magische Zahl 50 überschritten hat. Für mich ist es ein grosses Geschenk, in meiner Tätigkeit als Ärztin und Wissenschaftlerin das Alter im Fokus zu haben. In der Forschung fasziniert mich der Ansatz, mit mehreren kleinen Lebensstiländerungen das Älterwerden hinauszuzögern und damit gleichzeitig die Gesundheit zu erhalten. Es ist nie zu spät und es lohnt sich! 

Das Interview führte Markus Meier.

Weitere Informationen www.waidspital.ch/akutgeriatrie

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