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Hausarztmedizin im Fokus

16. Dezember 2022 von

Foto: zvg

Nathalie Zeindler

Von

Online seit
16. Dezember 2022

Printausgabe vom
15. Dezember 2022
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Der Hausärztemangel ist auch in Zürich zunehmend spürbar. Der demografische Wandel setzt neue Lösungsansätze voraus.

Eine aktuelle Schweizer Studie zeigt, dass nur gerade 30 Prozent aller Medizinstudentinnen- und studenten den Beruf des Grundversorgers oder der Grundversorgerin in Erwägung ziehen. Zwar werden an den Universitäten hausarztmedizinische Vorlesungen abgehalten, doch wird die Facharztausbildung seitens Studentinnen und Studenten meist priorisiert. Der Hausärztemangel, der auch im Kanton Zürich zunehmend spürbar ist, verlangt nach neuen Lösungsansätzen. Das ist umso wichtiger in einer Zeit, in der die Betreuung chronisch kranker Personen immer mehr im Zentrum steht. In den nächsten 20 Jahren werden die demografischen Veränderungen mit der zunehmend älteren Bevölkerung eine stabile hausärztliche Versorgung zwingend voraussetzen – bei verantwortbaren Kosten und von grösstmöglicher Qualität.

Mangelnder Dialog

Immer wieder beklagen sich Patientinnen und Patienten darüber, dass ihr Arzt nicht genügend Zeit für das Gespräch aufbringt. Die erlaubte Konsultationszeit wurde vom Bundesrat allerdings gekürzt, die nach wie vor nicht kostendeckend ist. Hinzu kommt, dass sich das Zeitbedürfnis von Patient zu Patient unterscheidet. Wohl kaum jemand ergreift den Arztberuf, um möglichst rasch eine Diagnose zu stellen und den Ratsuchenden sogleich wieder loszuwerden. Vielmehr wird der Beruf aus dem Wunsch heraus ergriffen, Menschen zu helfen, doch nimmt gleichzeitig der äusssere Druck zu. Umso mehr zögern junge Medizinerinnen und Mediziner, den Schritt in die Hausarztmedizin zu wagen und zeigen sich entsprechend wenig risikofreudig. Viele schrecken insbesondere vor abgelegenen Gebieten zurück, die einen besonders hohen Hausärztemangel aufweisen. Die Ärzteverbindung FMH wagt einen neuen Schritt. Sie hat ein neues Programm gestartet, indem Praxisassistentinnen und -assistenten ausgebildet werden, mit dem Ziel, chronisch kranke Patientinnen und Patienten unter Aufsicht des Arztes betreuen zu können – ein kostengünstiges Modell.

Der Nachwuchs fehlt

Die Grundversorgung ist nicht nur in ländlichen Gegenden gefährdet. Nachwuchs fehlt grundsätzlich – auch Spezialärztinnen und Spezialärzte. Sie sind in zeitlicher Hinsicht eingeschränkt und müssen zahlreiche Patientinnen und Patienten behandeln. Manche wünschen sich, nicht nur mit technischen Leistungen genügend Geld zu verdienen, sondern eben auch innerhalb der Konsultationszeit. Ein möglicher Lösungsansatz könnte sein, die Gesprächslimiten ein Stück weit aufzuheben und kostendeckend zu vergüten. Immer wieder wird ausserdem die Aufhebung des Numerus clausus diskutiert, der zu einem immer grösseren Problem zu werden scheint. Denn mit Blick auf die Zukunft sind nicht nur zu wenig Medizinerinnen und Mediziner und insbesondere Hausärztinnen und Hausärzte vorhanden, sondern auch mangelnde Studienplätze zwecks Ausbildung des einheimischen Ärztenachwuchses. Der ehemalige Zürcher Bildungsdirektor Ernst Buschor wies bereits seinerzeit darauf hin, dass der Numerus clausus nur im äussersten Notfall angewendet werden soll.

Nathalie Zeindler, Mitglied Die Mitte, Wahlkreis 4

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