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Quartierleben

«Ich habe den besten Beruf der Welt»

15. Dezember 2022 von

Foto: dad

Die Kostümbildnerin Ursina Schmid ist in Wipkingen zu Hause.

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15. Dezember 2022

Printausgabe vom
15. Dezember 2022
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Ursina Schmid aus Wipkingen ist Kostümbildnerin und kleidete den Cast der SRF-Serie «Tschugger» ein. Hier erzählt sie, wie sie zu ihrem geliebten Beruf fand und welche Herausforderungen sie zu meistern hat.

Eigentlich dachte ich, Zürich wäre nur ein Zwischenstopp. Aber nun lebe ich schon seit 18 Jahren hier, die letzten fünf in Wipkingen. Im gleichen Haus befindet sich auch mein Atelier und mein Kostümfundus. Das macht alles einfacher, denn ich bin Kostümbildnerin und Mutter zweier Kinder. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Bauerndorf in Graubünden.
Eines meiner ersten Ziele war: ich muss in die Stadt. Damals war mir noch nicht klar, welchen Berufsweg ich einschlagen will. Da ich keine Matura hatte, war Studieren keine Option. Ich entschied mich für eine Schneiderlehre, das war kreativ und ich konnte auch handwerklich arbeiten, das gefiel mir. Und so kam ich nach Zürich. Die Modebranche interessierte mich jedoch wenig, ich brannte für das Theater.

Vom Theater zum Film

Konsequenterweise absolvierte ich dann eine Zusatzausbildung als Theaterschneiderin – und die Reise begann: Zunächst arbeitete ich als Garderobiere und Regieassistentin, letztere Erfahrung war sehr wertvoll, denn dadurch konnte ich die Arbeit am Theater aus anderer Perspektive erleben. In dieser Zeit begann ich auch Kostümbilder für Theaterproduktionen zu entwerfen. Es war eine aufregende Zeit bei den sogenannten freien Theatern, ich war jung und dauernd auf Tournee.
Meine Kontakte und meine Arbeit brachten mich schliesslich zum Film. Zunächst als Garderobiere, dann als Kostümbildnerin. Ich übernahm diese Aufgabe bei der Serie «Der Bestatter», bei der ich ab der zweiten Staffel einstieg. Sieben Jahre war ich dort engagiert, in dieser Zeit wurde ich Mutter.

Beruf und Familie

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, es wäre leicht, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Aber ich habe auch als Mutter nie aufgehört zu arbeiten. Das ist so in unserem Beruf, wir sind quasi selbstständig und arbeiten dann, wenn der Job ruft. Das war auch so bei der Serie «Tschugger», bei der ich für die Kostüme verantwortlich bin. Sie war zunächst «nur» ein angekündigtes Projekt und man wusste nicht, ob es realisiert wird. Mittlerweile wurden zwei Staffeln daraus.
Heute bin ich fast nur noch für den Film tätig. Im Sommer drehte ich «Jakobs Ross», der im Jahr 1870 spielt. Um die Kostüme zu kreieren, durfte ich viel recherchieren. Wie waren die Leute damals angezogen, wie war deren Lebenssituation? Gemeinsam mit der Regisseurin Katalin Gödrös und der Szenenbildnerin Marion Schramm erschufen wir eine neue Welt. Ich freue mich darauf, wenn der Film anläuft.
Ich darf sagen, ich habe den besten Beruf der Welt. Natürlich ist das subjektiv, aber für mich stimmt es. Ich sehe Orte und Menschen, die mir sonst fremd bleiben würden. Manchmal drehe ich in einem Schlachthof, mal in den Bergen ohne Strom, oder auf einer Baustelle in der verbotenen Zone. Zudem reise ich viel und lerne ständig neue Menschen kennen. Mich interessieren die Menschen, der soziologische Aspekt: Wenn ich eine Figur einkleide, muss ich wissen, was das für eine Person ist. Ich schätze den Austausch mit den Schauspieler*innen. Und wenn ich bemerke, sie oder er fühlt sich nicht wohl im Kostüm, dann muss ich reagieren. Sonst könnte das Einfluss auf die Darstellung nehmen. Es gibt einige Tricks: Stimmt die Haltung nicht, helfen manchmal andere Schuhe. Oder das Kleid kann ein bisschen enger genäht werden, damit sich die Person der Rolle näher fühlt.
Im Drehbuch kann auch eine Schiesserei vorkommen, das ist ebenfalls eine Aufgabe für das Kostümdepartement. Ich bin dann – wie üblich – am Set und sorge dafür, dass die Kleider entsprechend hergerichtet sind.
Wichtig ist stets der Austausch mit den anderen Departements, etwa dem Szenebild oder dem Licht. Nur wenn alle beim Dreh zusammenarbeiten, entsteht ein Film oder eine Serie. Wir sind alles Puzzlestücke, die zum grossen Ganzen führen.

«Tschugger» im TV
Es gibt ein Wiedersehen mit den Kultcops aus dem Wallis:
Am 18. Dezember startet auf
SRF 1, 20.05 Uhr, und auf Play Suisse die zweite Staffel von «Tschugger».

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