Wipkinger-Zeitung.ch

12°C9°C am 21. September 2021
OJA Kreis 6 & Wipkingen

Jugendliche während der Pandemie

24. März 2021 von

Aufsuchende Jugendarbeit an einem Freitagabend. (
Foto: Leslie Wenner

Aufsuchende Jugendarbeit an einem Freitagabend. (

Von

Online seit
24. März 2021

Printausgabe vom
25. März 2021
Beitrag bewerten

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 4,00 out of 5)
Loading...

Seit das Coronavirus unser Leben prägt, mussten alle Generationen ihre Lebensgewohnheiten der neuen Situation anpassen. Auch wenn die Jugendlichen im Normalfall weniger starke Krankheitsverläufe zu bewältigen haben, werden auch sie stark gefordert.

Wir haben mit sechs Jugendlichen und einer Gruppe von Jugendlichen gesprochen, wie sie ihren Alltag gestalten. Dem OJA-Team ist bewusst, dass wir nur mit Jugendlichen sprechen konnten, mit denen wir in Kontakt sind. Uns beschäftigt die Frage, wie es Jugendlichen geht, denen soziale Kontakte fehlen und die ihre Freizeit vor allem zu Hause verbringen. Das OJA-Team ist weiter bestrebt, mit Jugendlichen in Kontakt treten zu können, denen soziale Kontakte in dieser Zeit fehlen.

Wie gestalten Jugendliche in dieser ausserordentlichen Zeit ihr Sozialleben?

Uns ist aufgefallen, dass alle Jugendlichen, mit denen wir über ihre Freizeitgestaltung gesprochen haben, sehr differenziert und ohne grosses Nachdenken über ihren Umgang in dieser speziellen Zeit sprechen können.
Rona ging trotz der Einschränkungen mit ihren Kolleginnen und Kollegen essen. Sie hätten dann draussen einen Ort finden müssen oder seien zu jemandem nach Hause gegangen und hätten etwas bestellt. So sei das gemeinsame Essen immer noch möglich gewesen. «Wir schauen, dass wir irgendwo hingehen, wo es weniger Leute hat.» Dort könnten sie ein bisschen für sich sein. Romina erzählt, dass sie durch die Umstände mehr Zeit für die Hausaufgaben hatte. Alessia erging es sehr ähnlich: «Meine Noten sind dadurch sogar besser geworden.» Daneben konnte sie ihre Hobbys pflegen, hat gezeichnet und Playstation gespielt, und Zeit zum Aufräumen hatte sie auch. Oder sie hat auch einmal einen Tag damit verbracht, einfach darüber nachzudenken, wie man selbst etwas herstellen, kreieren kann. Giulia hat viel für sich alleine zu Hause getanzt. Oder sie traf sich mit Kolleginnen, um draussen zu tanzen, an den Orten, an die sie sonst auch immer hingeht. «Es war gut für mich, manchmal in den OJA-Tanzraum gehen zu können, wenn niemand da war, und für mich alleine tanzen zu können», sagt sie.
Zoe wollte sich gerne mit den drei Kolleginnen aus der Zeit der Mittelstufe treffen. Sie gehen heute alle in unterschiedliche Schulhäuser und, ihre Stundenpläne erschweren es ihnen sehr, sich treffen zu können. Als sie dann endlich einen gemeinsamen Termin gefunden hätten, habe der Bundesrat etwas Neues angeordnet, und das Treffen war nicht mehr möglich. Eine Kollegin musste dann noch in Quarantäne, und so sei es weitergegangen. Sie hätten es bis heute nicht geschafft, sich zu treffen. Aber mit ihrer besten Kollegin koche und backe sie oft. Das sei zum Glück das, was nicht wegfalle, sich mit einer Kollegin zu treffen, das sei nicht so heikel. Romina ist weniger nach draussen gegangen als sonst. Dadurch sei man halt gefühlt so viel mehr am Handy. Auch Alessia meint: «Natürlich, wenn man zu Hause ist, benutzt man Social Media viel mehr.» Sie habe über Insta und Tik Tok und Snapchat den Kon¬takt mit den Kollegen aufrechterhalten. Leon* kann rausgehen und sich unkompliziert mit Kollegen treffen. «Ich kann aber zum Beispiel nicht mehr an den FCZ-Match gehen.» Er vermisse die Fussballspiele sehr, und er würde gerne wieder einmal ohne Maske den Bus nehmen, so wie früher.

Es falle jetzt halt weg, sich einfach mit Freunden zu treffen und mal ins Kino zu gehen, meint Zoe. Vieles sei nicht mehr spontan möglich, sie müssen jetzt alle überlegen, was sie machen wollen und wie sie sich treffen sollen. «Es bleibt nicht so viel übrig.» An ihrem Geburtstag wäre Giulia gerne in den Ausgang gegangen. Sie würde gerne wieder ihr altes Leben zurückhaben. «Wir haben schon ein Leben, aber es ist halt nicht mehr so wie vorher.»
Es nerve zwar schon, aber man könne trotzdem etwas Schönes machen. Romina besucht ab und zu den OJA-Treff. Draussen sei es überall wie ein kleiner Lockdown. Hier könne man einfach mal hinsitzen, während draussen alles zu sei. «Und es ist schön, vor allem im Winter, weil es warm ist, man kann Musik hören, eigentlich kann man viel machen hier drinnen.» Eine Gruppe von Jungs kommt ab und zu gerne in den OJA-Treff. Ihnen gefällt der Partyraum. Sie können hier Musik hören, und auch der Garten draussen gefällt ihnen.
Romina sehnt sich danach, wieder in Läden reinzugehen, einfach so in der Stadt zu sein, ohne Massnahmen. Und dasselbe auch in der Schule. Rona fehlt es, einfach so mit anderen zusammen zu sein, ohne dass man schauen müsse, dass man immer Abstand hat und alles. «Einfach so in Läden gehen, dort sitzen und etwas trinken gehen, oder zusammen essen gehen, das geht jetzt einfach nicht mehr.»

Die OJA unterwegs in den Quartieren

Bis zu Beginn des Lockdowns vor einem Jahr hätte das OJA-Team nicht gedacht, dass es in ihrem Einzugsgebiet einen so grossen Bedarf an aufsuchender Jugendarbeit geben würde. Aufsuchende Jugendarbeit ist eine Methode, eine Arbeitsweise, bei der meistens zwei Jugendarbeiter*innen die Jugendlichen an ihren Orten im öffentlichen Raum besuchen, um mit ihnen in Kontakt zu treten. Dies ist ein Angebot für Jugendliche, auf welches sie eingehen können oder nicht. Sie haben die Möglichkeit, mit Erwachsenen über ihre wichtigen und aktuellen Themen sprechen zu können. Manche Begegnungen sind geprägt durch den persönlichen Austausch, andere von viel Humor und Lebendigkeit. Manchmal wird in Gruppen gesprochen, manchmal zu zweit oder zu dritt. Manchmal sind die Begegnungen kurz, manchmal fast ohne Ende. Dem OJA-Team bietet diese Arbeitsweise die Möglichkeit, mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten, zu bleiben und ihnen bei Bedarf auch in schwierigen Zeiten Unterstützung bieten zu können. Das OJA-Team freut sich immer wieder von neuem auf wertvolle Begegnungen mit den Jugendlichen.

* Der Name des Jugendlichen wurde gegen einen Namen seiner Wahl geändert.

Von Markus Soliva

Situation aktuell in der OJA
Der Jugendtreff ist geöffnet. In den Räumlichkeiten dürfen sich maximal 15 Personen im Alter von unter 16 Jahren gleichzeitig aufhalten, und es gilt Maskenpflicht. Besucher*innen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren dürfen den Treff zu viert besuchen. Die OJA betreibt ein konsequentes Contact Tracing.
Dem Schutzkonzept der OJA entsprechend bieten wir verschiedene Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten für Jugendliche an und suchen die Jugendlichen zweimal die Woche an ihren Plätzen im öffentlichen Raum auf. Es werden Kurse mit den Jugendlichen organisiert und durchgeführt.
Wir haben unseren räumlichen Gegebenheiten angepasste Schutzkonzepte, die es erlauben, die Aktivitäten unter Einhaltung der Vorgaben durchzuführen.

Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar.


500