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Quartierleben

Kommt das «Depot Hard»?

6. Dezember 2019 von

Vorgesehen ist ein Gebäudekomplex mit zwei Hochhäusern entlang der Limmat.
Foto: Visualisierung: Morger Dettli Architekten AG, Basel

Vorgesehen ist ein Gebäudekomplex mit zwei Hochhäusern entlang der Limmat.

Foto: Bild: Luca Zanier

Das Modell zeigt das Siegerprojekt «Berta» auf dem Areal Depot Hard im Verhältnis 1:500.

Von

Online seit
6. Dezember 2019

Printausgabe vom
11. Dezember 2019
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Am 23. Oktober hat der Gemeinderat den Objektkredit von 203,5 Millionen Franken für den Neubau des Tramdepots Hard und den Bau der Wohnsiedlung «Depot Hard» zugestimmt. Die Zürcher Bevölkerung kann am 9. Februar an der Urne dazu Stellung beziehen.

Das teilweise unter Denkmalschutz stehende Tramdepot Hard beim Escher-Wyss-Platz ist dringend sanierungsbedürftig. Der nicht geschützte Depotteil soll daher durch einen Neubau ersetzt und die geschützten Bauten teilweise instandgesetzt werden. Ausserdem soll auf dem Tramdepot eine städtische Wohnsiedlung gebaut werden: Geplant sind 193 Wohnungen für rund 550 Personen sowie zwölf Ateliers und Gewerbe- oder Dienstleistungsflächen für bis zehn Betriebe. Der Gemeinderat hat dem Brutto-Objektkredit von 203 525 000 Franken bereits zugestimmt, davon fallen 72 738 000 Franken an Neubau und Betriebseinrichtung der Depothalle. Für diesen Betrag wird beim Verkehrsrat des Kantons eine Kostengutsprache beantragt, sofern die Stadtbevölkerung am 9. Februar 2020 dem Objektkredit zustimmt. Sollte der Kanton die Gutsprache ablehnen, wird das Gesamtprojekt nicht realisiert. Stimmen alle zu, wird voraussichtlich im Herbst 2020 mit dem Rückbau des alten Depots und dem Verlegen der Werkleitungen und im Frühling 2021 mit den Bauarbeiten begonnen. Der Bezug der Wohnungen ist auf Herbst 2025 und die Inbetriebnahme des Tramdepots auf Dezember 2025 vorgesehen.

Wohnungen etwas teurer

Der längliche Sockelbau zwischen Limmat und Hardturmstrasse wird im Parterre mit Gewerberäumen, Ateliers und Atelierswohnungen ausgestattet sein. Auf der gesamten Länge des Nordriegels entlang der Limmat befindet sich ein weiteres Obergeschoss mit 15 1,5- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen. Das Dach des Tramdepots wird zu einer Art begrüntem Innenhof, flankiert von einer Reihe zweigeschossiger «Townhouses», in denen sich neben Gemeinschafts- und Nebenräumen für die Wohnsiedlung 42 Maisonette-Wohnungen befinden. In den beiden Hochhäusern, einmal 65 und einmal 68 Meter hoch, befindet sich der Grossteil der Wohnungen. Von den insgesamt 193 1,5 bis 7,5 Zimmer-Wohnungen sind 71 3,5 und 56 4,5 Zimmerwohnungen. Die Mietpreise belaufen sich bei heutigem Referenzzinssatz auf 1580 Franken für eine 2,5 Zimmer und 2090 Franken für eine 4,5 Zimmer-Wohnung. Die Mietzinse liegen im Vergleich zu bisherigen städtischen Wohnbauprojekten 300 bis 500 Franken über den üblichen Mietzinsen. Zu teuer, sagt die AL. Stiege der Referenzzinssatz nämlich auf zwei Prozent, beliefen sich die Kosten für eine 4,5-Zimmer-Wohnung auf 2330 Franken. Städtische Bauten in diesem Preissegment unterstütze die Partei nicht, heisst es im Sitzungsprotokoll des Gemeinderats. Das Quartier brauche mehr Durchmischung, was bei diesen Preisen nicht möglich sei.

654 Parkplätze – für Velos

Auch die SVP äusserte sich im Gemeinderat gegen das geplante Projekt, wenn auch aus anderen Gründen. Sie unterstellt der Stadt «Klientelpolitik», weil 654 Veloparkplatze bereitgestellt werden, jedoch nur acht Invalidenparkplätze, acht Besucherparkplätze und ein Mitarbeiterparkplatz für das Gewerbe. Die SVP setze sich dafür ein, dass private Investoren den nötigen Wohnraum schaffen sollen. Für die FDP ist die Erneuerung des Tramdepots dringlich und wichtig für die Zürcher Traminfrastruktur, deshalb habe man dem Projekt zugestimmt hat, sagt Martina Zürcher, FDP 10, auf Anfrage. Auch die im Projekt enthaltene Verdichtung mit den 193 Wohnungen oberhalb des Tramdepots mache auf diesem Areal Sinn.

Die GLP ihrerseits äusserte sich im Gemeinderat positiv zum Projekt, insbesondere zur geplanten Begrünung sowohl des Daches als auch des 3200 Quadratmeter umfassenden Wohnhofs. Auch Ronny Siev von der GLP Kreis 10 sieht die Notwendigkeit einer modernen Infrastruktur für das Tram und den zusätzlichen Wohnungsbau und unterstützt das Projekt, findet es jedoch schade, dass der Schattenwurf die Aufenthaltsqualität auf dem Wipkingerpark besonders im Herbst schmälern wird. Interessanterweise war der Schattenwurf kein Thema in der Diskussion im Gemeinderat. Dies könnte mit dem Rekordsommer 2018 und den intensiv geführten Debatten um die Klimaerwärmung zusammenhängen.

Druck auf Naherholungsgebiet steigt

Das Gebiet entlang der Limmat zwischen Dynamo und Werdinsel ist in den vergangenen Jahren insbesondere im Sommer immer stärker unter Druck geraten. Die Überbauung ist mit dem Innenhof und dem sogenannten «Pocketpark» mit Bäumen, Sträuchern, Sitzgelegenheiten und direktem Blick auf die Limmat so konzipiert, dass die Anwohner*innen ihre eigene Naherholungszone quasi vor der Tür finden. Zudem wird durch die Realisierung eines neuen Fuss- und Veloweg vom Escher-Wyss-Platz bis zur Anbindung am Fischerweg/Ampèresteg ein Stück Flussufer erschlossen, das der Öffentlichkeit vorher nicht zugänglich war. Dennoch ist davon auszugehen, dass der Wipkingerpark inklusive GZ und sein Areal einem noch höheren Nutzungsdruck ausgesetzt sein werden. «Bei den soziokulturellen Angeboten und Aktivitäten rechnen wir mit einem erhöhten Bedarf durch Kinder und Familien sowie für generationenübergreifende Angebote», sagt der GZ Betriebsleiter Karl Guyer auf Anfrage. Ebenfalls hoch ist der Druck auf die Schulhäuser in der ganzen Stadt. Gemäss Auskunft der Schulkreisbehörde Limmattal ist jedoch genügend Schulraum für die zu erwartenden Kinder vorhanden, diese werden der Schule Schütze an der Heinrichstrasse zugeteilt. Sofern kein Kindergarten im Depot Hard selber eröffnet wird, werden auch die Kindergärtner*innen in diesem Schulhaus untergebracht.

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