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AL

Kultur für Menschen von Menschen

26. September 2018 von

Foto: zvg

Judith Stofer, Kantonsrätin AL

Von

Online seit
26. September 2018

Printausgabe vom
27. September 2018
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Ein reicher Kanton wie der unsrige kann sich mehr Kultur leisten. Leider will die Mehrheit der Politik nicht – freie Kultur will sie schon gar nicht. Die AL will diese Tristesse aufbrechen.

Kürzlich traf ich eine mir bekannte Künstlerin. Was ich von ihr zu hören bekam, wirft kein gutes Licht auf die Kulturpolitik des Kantons Zürich. «Ich wünsche mir als Kulturschaffende mehr Respekt und bessere Löhne. Unfall- und Alterssicherung – Lohnschutz halt. Davon kann ich nur träumen, weil der Kantonsrat Steuergeschenke an die Reichen macht und Kulturgelder kürzt». Leider trifft sie mit ihrer Kritik komplett ins Schwarze.

Lottrige Kulturfinanzierung

Gemäss einer gut tönenden Theorie, die von der Politik gerne und oft bemüht wird, steht die Kulturfinanzierung des Kantons Zürich auf drei Säulen: Ein Teil der Mittel stammen aus dem Lotteriefonds, ein Teil aus dem ordentlichen Kantonsbudget und ein Teil aus dem innerkantonalen Kulturlastenausgleich. Diese schöne Formel ist nicht mehr Wert als das Papier, auf dem sie niedergeschrieben wurde. Sie übertüncht, dass die Kulturfinanzierung im Kanton Zürich keine stringente Angelegenheit ist, sondern eher ein Hüst und Hott, ein Rauf und Runter. So schwankte die Höhe der Mittel für die Kulturförderung in den vergangenen Jahren enorm. Kurz und gut: Die Kulturfinanzierung war eher eine lottrige Sache und sehr oft auch den Launen des Kantonsrats unterworfen.

Freie Kulturförderung im freien Fall

Die Zeche für diese lottrige und unzuverlässige Kulturpolitik bezahlen hauptsächlich die freien Kulturschaffenden. Es zeichnet sich ab, dass die bis anhin zur Verfügung gestellten Mittel für die freie Kulturförderung um drei Millionen auf 19,7 Millionen Franken gekürzt werden sollen – aus langjähriger Erfahrung weiss ich, dass der bürgerlich dominierte Kantonsrat den Sparwettbewerb mit dem bürgerlich dominierten Regierungsrat noch weiter anheizen und weitere Kürzungen vorschlagen wird. Freie Kulturschaffende, wie meine Bekannte, sollen den Gürtel, den sie bereits sehr eng geschnallt haben, um einiges enger schnallen. Dass freie Kulturschaffende unsere Gesellschaft bereichern, befruchten und weiterbringen ist den bürgerlichen Kulturpolitikern Wurst. Sie suhlen sich gerne in ihrem respektlosen Gerede, dass die Kultur keine staatliche Aufgabe und auch die Kultur der ökonomischen Verwertungslogik zu unterstellen sei.
Der Kanton Zürich brüstet sich gerne mit dem Label «Kulturkanton Zürich». Das ist schön und gut. Nur erwarte ich, dass sich dies auch im ordentlichen Budget des Kantons Zürich zeigt: das heisst, dass ausreichende Finanzmittel für eine vielfältige Kultur bereitgestellt werden. Und zwar Jahr für Jahr. Zuverlässig und nicht in schäbigen Dimensionen. Indem wir genügend Finanzmittel für die Kultur einstellen, zeigen wir Respekt gegenüber der Arbeit von Kulturschaffenden. Denn: Kultur wird von Menschen für Menschen geschaffen.

Judith Stofer, Kantonsrätin

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