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Tanzhaus

Meter für Meter und Schritt für Schritt

26. September 2018 von

Lucia Gugerli, die Verfasserin des Beitrages, auf der Baustelle des Ersatzneubaus für das Tanzhaus Zürich.
Foto: zvg

Lucia Gugerli, die Verfasserin des Beitrages, auf der Baustelle des Ersatzneubaus für das Tanzhaus Zürich.

Von

Online seit
26. September 2018

Printausgabe vom
27. September 2018
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Häuser und Jobs werden ständig gewechselt. Im Normalfall bleibt der Inhalt derselbe, nur die Umstände ändern sich. Doch es gibt Umzüge, bei denen sich das gesamte Innenleben, inklusive aller Strukturen anpassen muss. Das Tanzhaus Zürich steht vor einem solchen Schritt. Mir geht es nach einem Jahr Praktikum in dieser Institution ebenso.

Das Ende des Praktikums, diese berufliche Testphase mit «Welpenschutz», ist vergleichbar mit der Situation, in der das Tanzhaus momentan steckt: Wir bereiten uns auf einen Wechsel vor, der einen grossen Umbruch bedeutet. Wir sind aufgeregt und vorfreudig auf das Ungewisse, das jener Schritt mit sich bringt und wissen, dass uns trotz bester Vorbereitung wohl auch Rückschläge und Überraschungen erwarten werden.
Seit im Jahr 2017 die Stadtzürcher für einen Ersatzneubau und somit auch inhaltlich für ein Tanzhaus 2.0 gestimmt haben, bereitet man sich hier in voller Vorfreude auf diese neue Ära vor. Es wird geplant, geträumt, umstrukturiert, gerechnet und gekämpft für eine Zukunft, in welcher die Bedeutung des Tanzes in dieser Stadt sprichwörtlich untermauert wird. Wann immer die Räume und das Team während der unterdessen sechsjährigen Übergangslösung ans Limit kommen, vertröstet man sich mit dem grossen Weiterzug ins neue Gebäude nebenan. Dieses wächst langsam aber stetig aus dem Boden und scheint bereits in greifbarer Nähe.
Ab 2019 gilt es dann also ernst für uns beide, das Tanzhaus und mich. Auch wenn meine Zukunft leider nicht direkt vor meinen Augen und Meter für Meter zu einem Wahrzeichen für zeitgenössischen Tanz in die Höhe wächst, so ist mir spätestens nach diesem Praktikumsjahr klargeworden, dass ich mich weiterhin für den Stellenwert des Tanzes engagieren werde. Ob tanzend auf der Bühne – im November und Dezember werde ich im Rahmen zweier Vorstellungen im Tanzhaus Zürich auftreten – oder durch die Mitarbeit in der Administration, beispielsweise für das Tanzfestival «zürich moves!» im April 2019. Diese Engagements wären ohne das Tanzhaus wohl gar nie zustande gekommen. Direkt vor meinem Bewerbungsgespräch für diese Praktikumsstelle traf ich nämlich per Zufall auf die Choreografin Tina Beyeler. Auf ein kurzes Gespräch im Foyer folgte die Einladung zu einem Probetraining für ihre neue Produktion «für immer und nie», welche nun, etwas mehr als ein Jahr später, im Tanzhaus Zürich gezeigt wird. Wie es sich anfühlt, die Rollen zu tauschen und nach einem Jahr hinter der Bühne hier im Tanzhaus selbst wieder auf der Bühne zu stehen, zeigt sich mir schon im November: Mit Fabrice Mazliahs Stück «In Act And Thought – six potentialities for Tanzplan Ost» touren wir durch die Ostschweiz und machen auch in Zürich halt.
Die Vorstellung, in Zukunft nicht mehr regelmässig an diesem Dreh- und Angelpunkt des zeitgenössischen Tanzschaffens zu sein, ist für mich schlichtweg unvorstellbar. So hoffe ich nun, dass es auch nach meinem Praktikum und an der neuen Adresse ein kleines Plätzchen für mich geben wird. Selbstverständlich bin ich bereits mit einem kleinen, gemütlichen Sessel im neuen Tanzhaus-Foyer an der Wasserwerkstrasse 127a völlig zufrieden.

Lucia Gugerli ist ausgebildete Tänzerin und seit September 2017 als Assistentin im Tanzhaus Zürich tätig. Sie ist in folgenden Stücken auf der Tanzhaus-Bühne zu sehen:
Tanzplan Ost, «In Act and Thought – Six potentialities for TanzPlan Ost» von Fabrice Mazliah am 9. und 10. November, jeweils um 20 Uhr.
Kumpane, «Für immer und nie», am 12. Dezember, 17 Uhr.
Infos und Tickets unter www.tanzhaus-zuerich.ch

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