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Parkplatz

Mit Glühwein und Raclette gegen Repression und Überwachung

12. Dezember 2018 von

Solidarität mit Basel - der Name ist Programm. An der Filmvorführung von Hamburger Gitter nahmen 100 Personen teil.
Foto: zvg

Solidarität mit Basel - der Name ist Programm. An der Filmvorführung von Hamburger Gitter nahmen 100 Personen teil.

Foto: zvg

Im Würfel haben die Teilnehmer*innen des Workshops gelernt, eine Lampe zum Leuchten zu bringen.

Foto: zvg

Vom Design bis hin zum Bau alles selbstgemacht, die Lampen aus dem Workshop im Würfel.

Von

Online seit
12. Dezember 2018

Printausgabe vom
13. Dezember 2018
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In diesem Herbst haben wir uns auf dem Park Platz mit dem Thema Repression und Polizeigewalt beschäftigt. Dabei sprachen wir sowohl über den Massenprozess in Basel im Oktober, bei dem 18 Menschen vorgeworfen wurde, an einer nicht bewilligten Demonstration unter dem Titel «Rassismus, Repression, Vertreibung und Gentrifizierung» teilgenommen zu haben, als auch um den generellen Anstieg von Polizeigewalt und Repression in Europa.

Im besagten Prozess forderte die Staatsanwaltschaft absurde Kollektivstrafen für diese sechs Frauen und zwölf Männer, rein nach dem Prinzip: «mitgegangen, mitgehangen». Doch die Forderung, diese Personen kollektiv zu bestrafen, bedrohen die Versammlungsfreiheit und somit den Rechtsstaat. Als Zeichen unserer Solidarität mit den Angeklagten haben wir uns dazu entschieden, am 18. November in Kollaboration mit den Demokratischen JuristInnen Zürich (DJZ) auf dem Park Platz den Film «Hamburger Gitter G20» zu zeigen. Der Film beleuchtet die heftige Reaktion der deutschen Polizei auf die Proteste in Hamburg im Jahr 2017. Ähnlich wie im Fall von Basel wurden die Demonstrant*innen am G20 in der deutschen sowie der Schweizer Presse sehr einseitig als krimineller schwarzer Mob dargestellt. Die sozialen Forderungen der Demonstrant*innen wurden in der Berichterstattung jedoch fast gänzlich ignoriert. Mit diesem Film wollen die Macher*innen darauf hinweisen, dass während die Gewalt der Polizei oft ohne juristische Folgen bleibt, Demonstrant*innen häufig mit hohen Strafen belegt werden. In Deutschland wird der Film derzeit in den Kinos gezeigt, mit dem Ziel, den öffentlichen Diskurs anzuregen. Da sich in der Schweiz bisher nur wenige Orte bereit erklärt haben, den Film zu zeigen, war es uns ein Anliegen, diesem Thema Raum zu bieten.

Grosses Interesse am Thema

Mit circa 100 Gästen war die Vorstellung äusserst gut besucht, was das grosse Interesse an der Thematik bezeugt. Im Vorfeld bot Merièm Strupler von der Wochenzeitung WOZ eine Einleitung. Im Anschluss wurde im Plenum darüber diskutiert, wie sich die Zivilgesellschaft vor polizeilichen Übergriffen schützen kann. Statt Einzelfälle von Polizeigewalt vor Gericht zu ziehen, sollten Perspektiven entwickelt werden, wie man als Gesellschaft dem übermächtigen Staatsapparat entgegentreten kann, so das Argument einiger Teilnehmer*innen. Am 16. Dezember geht die Kinoreihe in ihre nächste Runde. Gezeigt wird «Im Inneren Kreis» von Regisseur Hannes Obens und Regisseurin Claudia Morar. Der Film handelt von der verdeckten Ermittlerin «Iris Schneider», die jahrelang die linke Szene und die «Rote Flora» in Hamburg ausspionierte. Hinsichtlich der Abstimmung vom 25. November und der Annahme der Änderung des Sozialversicherungsrechts in der Schweiz ist der Film brandaktuell. Fragen wie: «Welche Folgen hat Überwachung für das Individuum und für die gesamte Gesellschaft?», sowie «Wie frei können überwachte Menschen sein?» gehen uns alle etwas an. Diese werden im Anschluss bei Glühwein und Raclette diskutiert.

Der Park Platz gedeiht personell und räumlich

Nicht nur inhaltlich, sondern auch personell hat sich einiges getan in diesem sommerlichen Herbst auf dem Park Platz: Mit Freude geben wir bekannt, dass sich unser Kernteam um drei Mitglieder erweitert hat. Herzlich heissen wir Merlin, Melinda und Doro willkommen. Erweitert hat sich der Parki nicht bloss auf personeller Ebene, sondern auch räumlich. Direkt neben dem alten Bahnhof Letten steht seit September «der Würfel». Dabei handelt es sich um einen eckigen Raum für Rundes, Ungeformtes, Pragmatisches, Künstlerisches, Experimentelles, Gemeinsames oder Zufälliges. Im Container, der ganz hinten auf der Aktionsfläche seinen Platz gefunden hat, sind Versuche, Formate und Dinge aller Art herzlich willkommen. Es ist ein Ort, an dem Themen im Kollektiv erarbeitet und behandelt werden und der allen offensteht. Bis anhin wurden darin Kleider getauscht, Lampen gebaut, Glieder gestreckt und Körper sowie Geist gestärkt mit Yogalehrerin Sara – eine willkommene Abwechslung an diesen monotonen Herbsttagen.
In Zeiten von unkontrolliertem Konsum und Wegwerfgesellschaft befürworten wir auf dem Park Platz die Wiederverwertung von Gütern jeglicher Art. Im Gratisladen «Free Corner» kann man nicht bloss ein altes Kleidungsstück mit nach Hause nehmen, sondern erhält gleichzeitig auch die Geschichte zu diesem Objekt mit auf den Weg. Schliesslich sind es oft die Geschichten und Erlebnisse, die uns Gegenstände ans Herz wachsen lassen und somit einen Wert für das Stück generieren.
Wir freuen uns auf weitere spannende politische und kulturelle Veranstaltungen auf dem Park Platz sowie im Würfel. Doch damit diese auch weiterhin zahlreich stattfinden, brauchen wir Euch! Kommt vorbei und bringt Eure Ideen ein. Der Park Platz ist ein Ort für alle und soll es auch bleiben.

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