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Music made in Wipkingen

29. Juni 2021 von

In Wipkingen ganz zu Hause: das Video zu Nolans Song hat er selbst gedreht – auf den Strassen Wipkingens.
Foto: zvg

In Wipkingen ganz zu Hause: das Video zu Nolans Song hat er selbst gedreht – auf den Strassen Wipkingens.

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Online seit
29. Juni 2021

Printausgabe vom
01. Juli 2021
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Das vergangene Jahr war bekanntermassen für Kulturschaffende nicht einfach. Doch auch während Krisenzeiten kann Kreatives entstehen. Der «Wipkinger» hat sich mit drei Künstler*innen unterhalten, die sich nicht haben beirren lassen.

Kim Nolan ist ein echter Autodidakt. Als Kind erhielt er zwar einige Jahre lang Gitarrenunterricht, doch alles andere hat er sich selbst beigebracht. Mittlerweile spielt er neben Gitarre auch Bass, Klavier, Schlagzeug und singt. Schon ganz früh war Musik die grosse Liebe seines Lebens – und ihr ist er bis heute treu geblieben. In seiner Wohnung in Wipkingen hat er sich sein kleines kreatives Paradies eingerichtet, indem er musizieren, komponieren und gleich auch noch produzieren kann. Hier befindet sich neben dem privaten Studio auch ein Atelier zum Malen und Nähen, ein Greenscreen für seine Filmproduktionen sowie eine Holzwerkstatt im Keller. Mehr braucht Nolan nicht zum Glücklichsein.

Unverhoffte Publicity vom Idol

Die Musik, die hier entsteht, lässt sich nicht einfach in eine Schublade pressen. Stilistisch sehr vielfältig bewegt sie sich irgendwo zwischen Jazz, Soul und Pop. Während er früher auch mit Band musiziert hat, schätzt er es heute, ganz unabhängig und selbstständig zu sein. Live-Auftritte gibt es von ihm bis anhin nicht, er veröffentlicht seine Stücke auf digitalen Plattformen. Genau deswegen hat ihm die Coronazeit als Künstler auch nicht viel anhaben können – ganz im Gegenteil: Mit seinem jüngsten Song «Belle & You», konnte er einen ganz unerwarteten Erfolg feiern. Diesen Song, übrigens das erste Stück, das nicht nur instrumental daherkommt, hat er innerhalb von nur einer Stunde komponiert und aufgenommen, «in einem dieser wunderbaren Flow-Momente», wie er im Gespräch mit dem «Wipkinger» schwärmt. Nach der Veröffentlichung schickte Nolan das Stück per Email an sein grosses Idol Olli Schulz mit der Bitte, es sich mal anzuhören. Er staunte nicht schlecht, als in der nächsten Ausgabe des Livepodcasts von Schulz und Böhmermann just sein Song gespielt wurde. «Ich habe den Podcast nachts live gehört und konnte anschliessend vor Aufregung die ganze Nacht nicht mehr schlafen», erinnert sich Nolan. Seither wird das Lied nicht nur auf Schweizer Radiosendern, sondern auch in Deutschland gespielt.

Musik ist und bleibt sein Hobby

Doch dieser Erfolg ändert nichts an seiner Einstellung zu seinem Hobby – denn das ist es, was die Musik nach wie vor für ihn ist. Nebenbei und hauptberuflich ist Nolan Lehrer an einer Zürcher Primarschule und studiert zusätzlich an der HFA Heilpädagogik. Als IF-Lehrer betreut er in einer Klasse Kinder, die besonders leistungsstark oder -schwach sind. Der Job macht ihm Spass – und selbst wenn er mit der Musik genug Geld zum Leben verdienen würde, würde er ihn beibehalten. Denn ihm gefällt das Vielseitige; eingleisig zu fahren, das langweilt ihn schnell. Deswegen hat Nolan auch keinen Masterplan, wie es mit ihm weitergehen wird: «Ich mache einfach Musik, wenn mir gerade danach ist. Ich liebe es, mich kreativ auszutoben – wie und wann auch immer.»

Ein schwieriges Jahr

Diese Liebe zur Kreativität teilen auch Claudia Toggweiler und Mladen Dabizljevic. Beide leben von und fürs Ballett – Toggweiler ursprünglich als Tänzerin, nun als Ballettlehrerin und Kulturmanagerin, ihr Lebenspartner Dabizljevic als Pianist, der die Tänzer*innen bei ihren täglichen Trainings live begleitet. Für die beiden war das vergangene Jahr beruflich eher schwierig. Wenig war möglich in Bereich Tanz, seit im März 2020 der Lockdown ausgerufen wurde: kein gemeinsames Proben mehr, keine Auftritte. Selbst ein Tanzfilm, für den Toggweiler die Promotion übernahm, konnte im Oktober 2020 zwar Premiere feiern, danach war aber gleich wieder Schluss: Die Spielzeit der Kinos wurde abgebrochen.

Das Beste aus der Situation gemacht

Doch die zwei Künstler*innen nutzten die Zeit und bauten ihre Unterrichtslektionen aus. Allerdings nicht wie üblich im Ballettstudio, sondern via Livestream von zu Hause aus. Da war oft Kreativität gefragt – zum Beispiel in punkto Ballettstange: Von der Stuhllehne bis zum Wäscheständer musste hier so einiges als Ersatz herhalten. «Das grösste Problem war jedoch», so erinnern sich die beiden, «dass die Übertragung von Ton und Bild beim Livestream oft zeitversetzt war. So war ein sinnvolles Training eigentlich kaum möglich.» Toggweiler und Dabizljevic entschlossen sich, Abhilfe zu schaffen und nahmen kurzerhand gemeinsam eine CD auf, mit der sich die Tänzer*innen selbst beim Proben begleiten konnten. Hier arrangierte Dabizljevic 21 bekannte Popsongs so, dass deren Struktur, der Wechsel der Tempi und die Länge der Stücke für den Ballettunterricht passen. Toggweiler ihrerseits probierte die dazu passenden Übungen aus. Das Echo sei grossartig gewesen, berichten die beiden Künstler*innen. Die CD wird seither in über 40 Ländern für das tägliche Training verwendet.

Das nächste Projekt schon in Vorbereitung

Mittlerweile geht der normale Betrieb wieder weiter, die Schüler*innen sind zurück in der Stadt, der Unterricht kann annähernd normal stattfinden. Doch das Projekt wird das Künstlerpaar auch weiterhin begleiten: Bereits nehmen sie die zweite CD auf, dieses Mal mit Eigenkompositionen von Dabizljevic. Das Cover gestaltet Toggweiler mit eigenen Fotos von Tänzer*innen – denn auch die Fotografie gehört zu ihren kreativen Leidenschaften.

Harmonieren beruflich und privat gleichermassen: Claudia Toggweiler und Mladen Dabizjlevic.

Harmonieren beruflich und privat gleichermassen: Claudia Toggweiler und Mladen Dabizjlevic.

 

 

 

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