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16. Dezember 2021 von

Petitionsübergabe vor dem Verwaltungszentrum Werd am 2. Dezember 2021
Foto: zvg

Petitionsübergabe vor dem Verwaltungszentrum Werd am 2. Dezember 2021

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16. Dezember 2021

Printausgabe vom
16. Dezember 2021
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Nach Monaten der Kampagne haben wir unsere Petition am 2. Dezember um 17.30 Uhr beim Verwaltungszentrum Werd dem Stadtrat Daniel Leupi übergeben. Nachfolgend der Abdruck unserer Rede.

Alternative Raumgestaltung in Zürich ist auf dem Abstieg: das Juch? Wurde geräumt. Das Koch- Areal wird ebenfalls bald durch konformen Wohnraum ersetzt. Die Guggachbrache? Weg. Die Hardturmbrache? Vor dem Aus. An all diesen Orten gab es Platz für unkommerzielle Projekte unterschiedlicher Art: allerlei Politveranstaltungen. Foodsharing, Einmachworkshops, Gartenprojekte, Wohnraum, Konzerte. Kurzum: Es waren alles Orte der Gegenkultur in einer von Konsumangeboten geprägten Stadt. Genau das will auch der Park Platz: Mit einem Gastronomiebetrieb wollen wir einen Polit- und Kulturbetrieb fördern, der unkommerziellen Projekten niederschwellig Raum bietet und Platz für kritische Ideen und Veranstaltungen schafft. Ohne grosse administrative Hürden, sondern einfach nutzbar. Dafür gibt es zwar einen physischen Platz, aber in der Welt der Paragraphen offensichtlich keinen Raum: Seit Jahren werden uns Steine in den Weg gelegt. Ein rigides Bewilligungsregime für Veranstaltungen verunmöglicht vieles. Eine Bewilligung für zweitägige antirassistische Aktionstage? Nein, zu viel Lärm. Ein unkommerzielles Variété mit leicht verstärkter Musik? Lieber nicht, das stört den frühen Abend der beruhigten Stadt. Eine provisorische Sauna? Reicht erstmal Baupläne ein. Hinzu kommt eine, sagen wir mal, eher dürftige Kommunikation vonseiten der Behörden: Seit mehreren Monaten warten wir auf Rückmeldung bezüglich Zukunftsaussichten. Und so wissen wir heute noch immer nicht, ob wir eine Zukunft auf dem Areal haben. Und noch immer sind unsere Baugesuche hängig bei der Stadt, seit mehreren Monaten, trotz mehrmaligem Nachfragen. Wir waren sehr bemüht, dass Bewegung in die Sache kommt: mehrere Briefe an Stadträtin Rykart. Den Gang zur Ombudsstelle, Bittstellungen an die Immobilienverwaltung, sich doch endlich einen Ruck zu geben. Doch statt besser wurde es schlechter: die Kommunikation über die Vertragssituation: eingebrochen. Die Rückmeldung zu den Bauplänen: immer noch ausstehend. Bewegung rund um ein neues Bewilligungsregime: Stillstand. Es ist wie so oft in Zürich: Der Gastrobetrieb, der ganz gut ins Bild der Stadt passt, funktioniert. Der ist willkommen. Aber was darüber hinausgeht, hat es schwer. Neue, wenn auch temporäre, Bauten gibt es nur mit langwierigem Bewilligungsprozess. Veranstaltungen im Freien mit verstärktem Ton sind auf vier pro Jahr beschränkt. Politveranstaltungen im Umfang von 1,5 Stunden und minimen Lärmemissionen werden mit riesigen, mehrstündigen Tanzveranstaltungen gleichgesetzt. Das ist absurd.

Wir wollen Gegenkultur statt Paragraphen

Wir fordern einen konstruktiven Umgang mit selbstorganisierten Projekten seitens der Stadt. Für alternative Raumnutzungen braucht es eine neue Strategie für Baubewilligungen und eine neue, differenziertere Bewilligungspraxis für Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Erstens: Wir wollen einen Vertrag mit der Stadt Zürich, in dem wir direkte Vertragspartner sind, ohne Vermittlungsebene durch andere Institutionen. Wir wollen als Vertragspartner ernst genommen werden. Zweitens: Wir wollen eine neue Bewilligungspraxis für Veranstaltungen im Freien. Wir sind nicht damit einverstanden, dass wir mit gängigen kommerziellen Gastwirtschaftsbetrieben gleichgesetzt werden. Ein ganztägiges Musik- Festival darf nicht mit einer Podiumsdiskussion über Rassismus gleichgesetzt werden. Drittens: Wir fordern eine Änderung der Bewilligungspraxis für Bauten in alternativen Raumprojekten. Alternative, nicht- oder teilkommerzielle Projekte sind in der Stadt Zürich in Bezug auf Baubewilligungen den gleichen Massstäben ausgesetzt wie  kommerzielle Projekte. Das muss sich ändern. Schaut doch nach Basel und Bern, da ist das auch möglich. Über 4000 Menschen haben unsere Petition unterstützt. Wir erhielten viele Rückmeldungen, die uns ermutigten, weiterzumachen. Und wir erlebten viel Unverständnis aus Richtung Stadt und deren Bürokratie. Nun hoffen wir sehr, dass auf diesem Weg endlich Bewegung in die Sache kommt. Und zwar nicht erst in einem Jahr, wenn das Thema in irgendeinem Gremium traktandiert wurde. Sondern sofort. In der Petition haben wir geschrieben: Was letztlich bleibt, ist die Frage, können wir als selbstbestimmter Quartiertreff unter diesen Vorgaben existieren? Ist eine zufriedenstellende Realisierung für alle beteiligten Seiten unter den vorliegenden Voraussetzungen überhaupt möglich? Das ist es, was wir gemeinsam herausfinden wollen. Wir haben unseren Teil dazu beigetragen. Der Ball liegt jetzt bei der Stadt. ”

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