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Tanzhaus

Tanzkollektiv «The Field»: Mein bestes Wipkingen

30. Juni 2021 von

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30. Juni 2021

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Mit «The Field» ist am Tanzhaus Zürich ein Kollektiv von Tanzschaffenden beheimatet, das nun im Rahmen des Zürcher Theater Spektakels seine erste grössere Arbeit zeigt: «The Best and the Worst of Us» von Simone Aughterlony.

«The Field», das assoziierte Kollektiv des Tanzhaus Zürich, vereint Tanzschaffende zu einer Gemeinschaft, die Raum und Zeit für Recherche und die Entwicklung von Stücken teilt. Nach diversen Covid-bedingten Verschiebungen bringen Declan, Lucia, Maria, Mirjam Jamuna und Pierre nun im Rahmen des Zürcher Theater Spektakels ihre erste grosse Produktion auf die Bühne. Das Tanzhaus hat den Mitgliedern folgende zwei Fragen gestellt: Was ist deine schönste Wipkinger-Erfahrung? Und warum sollten sich alle «The Best and the Worst of Us» ansehen?

Declan Whitaker

Letzten Sommer probte «The Field» auf einem Parkplatz in Wipkingen für das Theater Spektakel ein Kurzstück namens «iObject». Es herrschten 35 Grad, und wir spielten verrückt. Wir warfen Dinge herum und tanzten mit allen möglichen Gegenständen, aber niemand schien sich daran zu stören. Man liess uns einfach unser Ding machen. Das war ziemlich cool. Natürlich ist es auch immer schön, mit einem Kaltgetränk am Fluss zu hängen.
Diesen Sommer zeigen wir mit «The Best and The Worst of Us» ein gleichzeitig lustiges und düsteres, verspieltes und melancholisches, absurdes und konkretes Stück: ein vielschichtiges Spiel, das die Kämpfe und Feiern einer Gruppe von Menschen einfängt, die sich an einer Zusammenarbeit versuchen. Wenn du Bingo, Luftballons und Vögel oder Harmonien, Harmoniums und Handstände magst, ist dies die Show für dich.

Lucia Gugerli

Seit 2017 arbeite ich in Wipkingen, und weil es mir dort so gut gefällt, ziehe ich diesen Sommer endlich selbst ins Quartier. Ein Fantasietag in meinem zukünftigen Wipkingerleben sieht so aus: Es ist Samstagmorgen. Die Nachbarskinder spielen unbekümmert mit den Hasen in ihrem riesigen Garten. Auf dem Weg ins Tanzhaus gehe ich im New New vorbei, weil ich etwas neues Gebrauchtes möchte. Obwohl ich spät dran bin, mache ich einen Umweg über den Röschibachplatz, denn ich brauche Toitoitoi-Geschenke für das Team. Am Abend spielen wir «The Best and The Worst of Us» vor ausverkauftem Publikum. Du bist auch da, weil dir humorvolle Tanzstücke gefallen. Von den Musikeinlagen bist du besonders beeindruckt. Danach stossen wir im Nude auf die gelungene Vorstellung an. Du machst mir ein Kompliment für meine neuen alten Ohrringe.

Maria Demandt

An einem Spätsommerabend war ich zusammen mit einem Freund auf der Suche nach einem Konzert in Wipkingen. Es sollte in einer Unterführung stattfinden, aber wir wussten nicht genau wo. Wir sind mit dem Velo durch das ganze Quartier gefahren, und als wir es endlich fanden, erklangen gerade die letzten Töne des Gesangs. Aber die Akustik der Unterführung machte es trotzdem zu einer wunderbaren Erfahrung.
In «The Best and The Worst of Us» kann sich jeder Mensch ein bisschen erkennen, denn sowohl unsere guten als auch schlechten Seiten werden total witzig dargestellt und relativiert. Es lohnt sich deshalb unbedingt, die Vorstellung zu besuchen. Auch weil die Performer*innen das mehrstimmige Singen so viel üben werden, dass es so angenehm klingt wie das Konzert in der Unterführung.

Mirjam Jamuna Zweifel

Die Viaduktbrücke lädt uns regelmässig zum Tanz ein – der Körper als Brücke zwischen Unsichtbarem und Sichtbaren – auf der Erhöhung in die Vogelrufe einwirken – zu Robyns «Between the Lines». Vom Wasserlauf Störgedanken wegspülen lassen, gemeinsam rennen und innehalten – auf diesem kleinen Fleck Erde – zwischen den Welten.
Nachdem wir uns auf der Brücke eingewärmt haben, suchen wir auf der Bühne Formen des kollektiven Zusammenseins. Wir probieren, Brücken zwischen den Körpern zu bauen, verkriechen uns in Hütten, versuchen uns abzugrenzen und sitzen dann doch gemeinsam am Lagerfeuer, erinnern uns, wie wir viel zu nah an die Sonne flogen oder ins «Mayfair» wollten, zu den Securities raufgingen und behaupteten, wir seien «The Pussycat Dolls».

Pierre PitonI

Ich erinnere mich an das Miteinander der Menschen am Röschibachplatz. Ich erinnere mich, wie ich beim Letten die Sterne beobachtete und in einem Hochzeitskleid mitten auf dem Fussballplatz tanzte. Ich erinnere mich, wie ich viel zu schnell mit dem Rad die Rosengartenstrasse herunterschoss. Ich erinnere mich an das erste Feierabendgetränk mit meinen lieben Kollegen im Damm. Ich erinnere mich, wie ich von der Limmat weggetragen wurde. Ich erinnere mich an Spaziergänge, Orte und Menschen. Ich erinnere mich, vergesse und freue mich. Ich freue mich auf Zukünftiges. Ich freue mich darauf, noch mehr Pizzas im San Gennaro zu essen, nachdem ich den ganzen Tag getanzt habe. Ich freue mich darauf, diesen Sommer «The Best and The Worst of Us» im Tanzhaus aufzuführen. Ich freue mich darauf, dich dort zu sehen. Ich freue mich darauf, mit und für dich zu tanzen. ”

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