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Trinkwasserqualität zum Baden inmitten der Altstadt

26. September 2018 von

Kraftwerk zwischen Oberer und Unterer Letten.
Foto: zvg

Kraftwerk zwischen Oberer und Unterer Letten.

Foto: zvg

Wendemanöver des Limmatschiffs beim Landesmuseum – die Haltestelle ist links im Bild.

Von

Online seit
26. September 2018

Printausgabe vom
27. September 2018
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Wenige Städte haben eine derart intakte Natur, dass Baden im Fluss mit Trinkwasserqualität inmitten der Altstadt möglich ist. Es ist eine Chance für Zürich, das Badeverbot zwischen See und Oberer Letten zu lockern. Bis zur nächsten Badesaison wird der Stadt- und Regierungsrat seine Einschätzung abgeben.

In Bern und Basel ist das Flussschwimmen auf längeren Abschnitten ein Volkssport. In Zürich hingegen beschränkt sich das Schwimmen in der Limmat weitgehend auf die Werdinsel, den Oberen und den Unteren Letten. Der Untere Letten hat eine zwanzigfach kürzere Schwimmstrecke als der Rhein in Basel, bietet aber trotzdem einige Möglichkeiten zur Erfrischung – und auch für das Auge: An warmen Sommertagen üben sich Kletterer an den Fassaden alter Industriebauten und lassen sich wieder zurück ins Wasser fallen, eine lange Schaukel hängt unter dem Letten-Viadukt, Menschen schlendern der Mauer entlang zum Kraftwerk, um die Schwimmstrecke zu verlängern, und der tiefe Wasserstand im Sommer hat «La Terazza» geboren, ein Betonpodest, das mit künstlichem Rasen, richtigen Palmen und Liegestühlen versehen wurde. Das Badevergnügen inmitten alter Industriebauten hat Gegensätzliches.

Eine Chance für Zürich – und eine Entlastung für andere Bäder

Warum soll nun also auch das Badeverbot zwischen See und Oberer Letten gelockert werden? Einerseits geht es wie beim Unterer Letten um die Schaffung eines einzigartigen urbanen Erlebnisses, das mit Gegensätzen aufwartet: nur schon im Stadtzentrum zu baden ist einzigartig. Der Londonist etwa schreibt «The Thames may not be the first place that springs to mind when you fancy a swim», und auch das Wasser in der Wiener Donau riecht aus eigener Erfahrung nicht appetitlich. Über die Limmat schreibt der Deutsche Spiegel hingegen, dass Trinkwasserqualität vorhanden ist und «…wer Durst hat, könnte einfach den Mund aufmachen». Es wäre eine verpasste Chance für unsere Stadt, diese einzigartige intakte Natur mitten in der Stadt nur den Limmatschiffen zu überlassen.
Dann gibt es neben dem Erlebnis auch ganz praktische Gründe, um das Badeverbot zu lockern: Die Bäder sind hoffnungslos überfüllt. Für wen der Platz in den Flussbädern zu eng ist, der kann seine Utensilien in einen Schwimmsack packen und die zwei Kilometer bis zum Oberen Letten in Ruhe angehen.

Für Schwimmer und Kursschiffe einen Weg finden

Im Gegensatz zum Rhein wird es in der Limmat jedoch schwierig sein, Schwimmer und die Kursschifffahrt gleichzeitig im Fluss zu haben. Für die Wendemanöver beim Landesmuseum braucht das Limmatschiff beispielsweise die ganze Flussbreite und für die Bedienung der anderen Haltestellen wechselt es mit einem Zickzack-Kurs oftmals die Flussseite. Ziel muss es natürlich sein, die Sicherheit der Schwimmer trotzdem zu gewährleisten.
Der Ball liegt nun beim Stadt- und Regierungsrat: Mit zwei Vorstössen haben wir Grünliberale diese aufgefordert, eine Lösung zu präsentieren, um das Badeverbot zu lockern. Wir erwarten, dass eine Lösung erarbeitet wird und die Idee nicht einfach rundweg abgelehnt wird. Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel, an einem oder zwei Abenden pro Woche die Limmatschifffahrt einzustellen und den Fluss für Schwimmer freizugeben. Damit würde etwas Neues und Einzigartiges in Zürich geschaffen, welches die Einnahmeneinbussen der Limmatschifffahrt Wert wäre.

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