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Verletzte und Tote bei Velounfällen wie nie zuvor

24. Juni 2020 von

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Online seit
24. Juni 2020

Printausgabe vom
25. Juni 2020
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Die Kollision der politischen Träume mit den Verkehrsrealitäten.

Ein linkes Mantra ist das Märchen vom positiven Effekt der endlosen Veloförderung der Stadt Zürich als angebliche Lösung aller Mobilitätsbedürfnisse, welche von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern in mehreren Abstimmungen mitgetragen wurde. Auch wenn die durch Velos erbrachte Personenbeförderungsleistung im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr (MIV) und dem öffentlichen Verkehr (ÖV) mit rund fünf Prozent nur marginal ausfällt, hatte die permanente Werbung und Förderung dieser Art der Fortbewegung doch bewirkt, dass der Veloverkehr stark zugenommen hat, innert zehn Jahren um gegen 50 Prozent, das aber ab einer sehr tiefen Ausgangsbasis.

Die Unfallzahlen steigen exponentiell

Die Verkehrsunfallstatistiken der städtischen Dienstabteilung Verkehr (DAV) legen die traurige Realität offen. Die im «richtigen» politischen Lager beheimatete Direktorin kommt nicht umhin einzugestehen, «im Jahr 2018 verunfallten in der Stadt Zürich bei polizeilich registrierten Verkehrsunfällen total 1449 Personen. Dies ist der höchste Wert seit 2003. Erneut bedeutend mehr Personen verunfallten auf dem Velo. Zurückzuführen ist die Zunahme der Verunfallten fast ausschliesslich auf das Unfallgeschehen beim Veloverkehr. Im Jahr 2018 verunglückten 541 Velofahrende (plus 73 zum Vorjahr; plus 143 zum Fünfjahresschnitt). Im Vergleich zum Jahr 2011 mit 264 Verunfallten ist mehr als eine Verdoppelung in sieben Jahren zu konstatieren.» Um zur Schlussfolgerung zu gelangen: «Ein Faktor ist die erfreulicherweise zunehmende Veloverkehrsmenge». Aha, mehr Veloverkehr = exponentielle Häufung der Unfallopfer = erfreulich.

Generell rückläufige Unfallzahlen ausser beim Veloverkehr

Beim MIV gehen die Unfallzahlen seit 50 Jahren nur noch in eine Richtung; massiv zurück. Als ÖV-Passagier ist die Wahrscheinlichkeit zu verunfallen verschwindend klein. Aber der Verkehrsträger mit der marginalsten Personenförderungsleistung verursacht nun die meisten Unfallopfer.

Was sind die Ursachen und die Erkenntnisse?

Dass es politisch bis vor kurzem opportun war, dass Verkehrsregelverletzungen bei Velofahrern nur in Ausnahmefällen geahndet wurden, hatte eine Verrohung zur Folge, welche sich in den Unfallzahlen niedergeschlagen hat. Im Gegensatz zum MIV, dessen Teilnehmer intensiv kontrolliert und bei Verstössen exorbitant zur Kasse gebeten werden, sind die Bussen für Velofahrer angenehm günstig. Mittlerweile ist aber ein Paradigmenwechsel eingetreten. Der Stadtrat konnte nicht länger ignorieren, dass das brennendste Verkehrsproblem in Zürich keines mit dem MIV, sondern mit dem Veloverkehr ist.

Volkswirtschaftlich und ökologisch betrachtet kostet Velofahren nur und bringt nichts

Das Gros der zusätzlichen Velofahrer sind nachweislich ÖV-Nutzer, welche anstelle des Trams oder Bus nun Velo fahren. Ihr Engagement ist ihrer Fitness zuträglich – sofern sie nicht verunfallen! – und gratis. Seit 2012 wurde die Deckung der Velovignette in die Privathaftpflicht-Versicherung integriert. Für Verletzungen kommen die Nichtberufsunfall- oder private Unfall-Versicherungen auf. Sämtliche Kosten werden also sozialisiert.

Wer bezahlt?

Wie sieht es denn bei den anderen Verkehrsträgern aus? Die ÖV-Nutzer tragen immerhin einen erheblichen Teil der Kosten selber. Die Auto- und Motorradfahrer schultern die Kosten, die sie generieren, über Verkehrssteuern, Treibstoffzölle, Importabgaben, Vignetten, zu weit über 100 Prozent selber. Die Überschüsse werden zweckentfremdet zugunsten der allgemeinen Bundeskasse, den Sozialwerken, den ÖV-Infrastrukturen, und, und, und.

Die Konsequenzen

Wir fordern, dass die Politik und die Verwaltung der Stadt Zürich jeder Form des Individualverkehrs und dem öffentlichen Verkehr auf allen Stufen Gleichbehandlung zu garantieren hat. Diese Form der Klientelpolitik muss endlich aufhören.

Christoph Marty, Alt-Gemeinderat

Kommentare

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500
1. Juli 2020 um 00:41 Uhr von Derek Richter

Die alte Leier, dass Velo Sicherheit alleine an der Infrastruktur festzumachen ist, ist hanebüchen. Rund 2/3 der Velounfälle sind selbstverschuldet. Unachtsamkeit, Alkohol und zu hohes Tempo sind die Ursachen. Daran würde auch goldene Radwege nichts ändern.
Die Volksinitiative ‚Sichere Velorouten für Zürich‘ (Abstimmung am 27. September 2020) ist Egoismus pur! Es braucht neue und bessere Verkehrsinfrastruktur -aber für alle Verkehrsträger, statt für einzelne.