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30. September 2020 von

Meret Schlegel und Kilian Haselbeck der Cie zeitSprung...
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Meret Schlegel und Kilian Haselbeck der Cie zeitSprung...

Von

Online seit
30. September 2020

Printausgabe vom
01. Oktober 2020
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Am 8. Oktober feiert das Stück «Total International (Lokal)» am Tanzhaus Zürich Premiere. Und zeitgleich am Teater FÅR302 in Kopenhagen. Wie geht das?

Ich treffe Meret Schlegel und Kilian Haselbeck an einem der letzten Sommertage im Kurpark in Baden. Es muss ein komisches Bild sein, wie sich die Tänzerin und der Tänzer aufwärmen, während ich mit meinem Laptop im Gras sitze und ihnen Fragen stelle. Meret und Kilian befinden sich mitten in den Proben zu «Total International (Lokal)» und haben sich dazu in einem Studio des soeben renovierten Kurtheaters eingemietet, da am Tanzhaus gerade Hochbetrieb herrscht. Erst für die Endproben kommen sie nach Zürich.

...wärmen sich im Park auf für eine Probe...

…wärmen sich im Park auf für eine Probe…

 

Ihr bildet zusammen die Cie zeitSprung und wurdet mit eurem Stück «Orthopädie or to be» über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ausserdem habt ihr von Afrika bis Asien an Theaterprojekten mitgewirkt. Nun vernetzt ihr euch mit «Total International (Lokal)» auf eine ganz andere Weise. Wie ist es dazu gekommen?

Meret: Als Andreas Liebmann, ein Schweizer Theatermacher, der in Dänemark lebt, letztes Jahr in Zürich war, hat er mich angerufen und gefragt, ob wir uns treffen könnten, er habe da eine Idee.

Kilian: Man muss noch sagen, dass Andreas nicht mehr fliegt und konsequent nur mit dem Zug unterwegs ist.

Meret: Ihn beschäftigt aus ökologischen Gründen die Herumjetterei der internationalen Kunstszene, aber auch das Deponieren von Kunst, sozusagen Fragen der Nachhaltigkeit.

Kilian: Und deshalb auch die Idee eines Stücks, das gleichzeitig in zwei verschiedenen Ländern spielt.

Meret: Mit Covid-19 hat die Thematik natürlich noch eine zusätzliche Brisanz erhalten.

Kilian: Ist es möglich, an unterschiedlichen Orten ein gemeinsames Stück zu erarbeiten? Das ist die Grundfrage, die uns beschäftigt.

Meret: Was löst diese Herausforderung künstlerisch aus? Kann diese Beschränkung nicht auch etwas sehr Kreatives sein?

...von «Total International (Lokal)».

…von «Total International (Lokal)».

 

Andreas Liebmann arbeitet mit dem Performer Boaz Barkan in Dänemark und ihr zwei parallel hier in der Schweiz. Wie muss ich mir die Zusammenarbeit vorstellen?

Meret: Angefangen haben wir mit Skype-Meetings. In echt haben wir uns zu viert nie gesehen, und Kilian und Boaz kannten sich vorher auch nicht.

Kilian: Es war ein sehr anderer Prozess als üblich, und es sind Themen aufgetaucht, die sonst nicht immer zur Sprache kommen wie Rollenverteilung…

Meret: … oder Autorenschaft und der Fakt, dass es keine Regisseurin, keinen Regisseur im konventionellen Sinn gibt.

Kilian: Und auch andere Verwirrungen, natürlich.

Inhaltlich dreht sich das Stück unter anderem ums Reisen, um Sehnsuchtsorte und Erinnerungen an entfernte Orte, die angesichts der Pandemie noch ferner erscheinen als sonst. Was hat die Beschäftigung mit diesen Themen persönlich ausgelöst bei euch?

Kilian: Wenn das Reisen auf längere Zeit nicht mehr möglich wäre, wäre das für mich schon recht schwierig. Aber ich finde schon, dass es ein Umdenken geben muss. Als Compagnie haben wir schon immer geschaut, dass wir möglichst lange an einem Ort bleiben und nicht nur spielen, sondern auch Workshops geben, in einen Austausch treten mit lokalen Künstler*innen, Kooperationen eingehen.

Meret: Es ging nie darum, einfach irgendwo hinzufliegen und eine Show zu machen. Wobei sich bezüglich der Selbstverständlichkeit, meinen Sehnsüchten und Träumen nachgehen zu können, weil ich die Mittel dazu habe, schon etwas verändert hat. Aber ich finde es schwierig zu sagen, dass ich jetzt nie mehr in ein Flugzeug steige. Tanz kann eine Unmittelbarkeit haben, die Schubladen sprengt und Brücken baut über Generationen, über Landesgrenzen und Kulturen hinweg.

Nun versucht ihr, mit «Total International (Lokal)» Grenzen anders zu sprengen und Distanzen virtuell zu überbrücken. Arbeitet ihr da mit Videoschaltungen? Meret: Nein, es gibt ganz sicher keine Zoom-Performance.

Kilian: Wir probieren, spürbare Synchronizität herzustellen und die anderen Performer fühlen zu lassen, dass sie präsent sind. Wir verwenden dazu schon auch technische Mittel, aber es geht darum, eine neue Art von Magie herzustellen.

Meret: Wie ist das, wenn jemand auftaucht und präsent ist, der nicht über die Bühne läuft?

Kilian: Es gibt doch Momente im Leben, wo man jemanden, den oder die man lange nicht mehr gesehen hat, irgendwo an einem Ort trifft und man fragt sich: Wieso gerade jetzt? Zufälle, «right time, right place» – dieses Gefühl wollen wir herstellen.

Meret: Wir sind so aufs Sehen fixiert, auf Bilder, Videos. Aber es gibt so viele andere Möglichkeiten, Verbindungen mit verschiedenen Sinnen erfahrbar zu machen. Kilian: Das ist aber keineswegs eine esoterische Sache. Wir haben ganz konkrete Mittel gefunden. Meret: Und die Herausforderung, wenn man sich ihr stellt, ist künstlerisch sehr spannend.

Das Interview führte Simon Froehling

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