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Reformierte Kirchgemeinde Wipkingen

Zehn-Jahre-Jubiläum des Zentrums für Migrationskirchen

27. Juni 2018 von

Gemeinsamer Gottesdienst am 1. Advent.
Foto: zvg

Gemeinsamer Gottesdienst am 1. Advent.

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Band der Eglise Evangelique Missionaire International Zurich.

Foto: zvg

Interkultureller Ausflug zum Haus von Zwingli

Foto: zvg

Absolventinnen und Absolventen der theologischen Weiterbildung.

Von

Online seit
27. Juni 2018

Printausgabe vom
28. Juni 2018
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Kaum zu glauben, dass es bald zehn Jahre her ist, seit im grossen Kirchgemeindehaus am Wipkingerplatz das Zentrum für Migrationskirchen (ZMK) eingeweiht wurde. Seither besuchen Woche für Woche über 500 Menschen mit unterschiedlicher kultureller und sprachlicher Herkunft das ZMK.

So ist es Zeit, das ZMK in der «Wipkinger Zeitung» näher vorzustellen, zurückzuschauen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.
Haben Sie gewusst, dass die Mehrheit der Menschen, welche in die Schweiz migrieren, Christinnen und Christen sind? Wenn wir jedoch in unsere Schweizer Kirchgemeinden gehen, finden wir nur wenige Leute aus anderen Kulturen in den Gottesdiensten, Programmen und Angeboten. Der Grund dafür ist einfach: Weil uns Menschen das Feiern des Gottesdienstes, das Beten, Singen und die Seelsorge am einfachsten in der Muttersprache fällt. In vielen eigenen Kirchen und Kirchgemeinden treffen sich deshalb Menschen verschiedenster Sprache und Herkunft und leben «Kirche» – in Zürich an mehr als 60 Orten. Oft sind diese Orte verborgen, in Industriegebäuden in der Nähe des Bahnhofs Altstetten zum Beispiel, oder in einem Geschäftshaus an der Badenerstrasse. Von aussen sieht man also nicht, dass hier Gottesdienste gefeiert werden, Paare sich kirchlich trauen, ihre Kinder taufen lassen und um verstorbene Familienangehörige und Freunde trauern.

Acht Kirchen in einem Haus – wie es dazu kam

Im ZMK haben der Reformierte Stadtverband und die Reformierte Landeskirche Zürich einen Ort geschaffen, welcher sogenannten Migrationskirchen, also Kirchen, welche von Migrantinnen gegründet, geleitet und besucht werden, Raum und Möglichkeiten der Partizipation gibt. Begonnen hat alles mit einer Idee einiger reformierter Pfarrpersonen, Theologinnen und Mitarbeitenden der Fachstelle für Ökumene. Konnte es sein, dass Menschen im Verborgenen ihre Gottesdienste feierten und dazu noch überrissene Mieten zahlten? Wo es doch in der Stadt Zürich grosse Kirchgemeindehäuser und Kirchen gibt, welche ohne Probleme von weiteren Gläubigen genutzt werden könnten? In einem mutigen Schritt beschloss eine eigens zu diesem Zweck gegründete Arbeitsgruppe, eine Koordinationsstelle zu schaffen, und die Synode bestätigte 2006 diesen Entscheid. Die Koordinatorin sollte Kontakt zu Migrationskirchen im Grossraum Zürich aufnehmen, pflegen und auch Beratungen anbieten. Etwa wie ein Verein gegründet wird oder wie die Hausordnungen verstanden werden. Dazu sollten Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden, wo sich Menschen verschiedener Migrationskirchen und reformierter Kirchgemeinden austauschen konnten. In dieser Zeit wurde das Kirchgemeindehaus Wipkingen als praktikabler Ort für ein Zentrum für Migrationskirchen entdeckt. Das Kirchgemeindehaus liegt zentral und ist mit dem ÖV bestens erreichbar, es hatte viele ungenutzte Räume und auch grosse Säle, wo bis zu 100 Menschen Gottesdienst feiern können. Die Migrationskirchen sollten nicht nur einen Gottesdienstraum haben, sondern auch Lagerräume und Büros, wo in Ruhe auch Seelsorgegespräche stattfinden können.

Acht Kirchen in einer

So haben sich nacheinander acht Kirchen im grossen Kirchgemeindehaus Wipkingen zum Zentrum für Migrationskirchen zusammengeschlossen. Dazu gehören die Igreja Evangélica de Língua Portuguesa de Zurique, welche für portugiesisch-sprachige Leute Gottesdienste, Jugendprogramme, Frauen-, Gebets- und Bibelgruppen anbietet. Die Eglise Evangélique Missionaire Internationale à Zurich ist eine frankophone Kirche, deren Mitglieder mehrheitlich aus Westafrika und der DR Kongo kommen. Weiter treffen sich finnische Leute zu Gesprächsgruppen, Gottesdiensten und organisieren im Frühling und im Advent einen grossen finnischen Markt. Tamilische Christinnen und Christen treffen sich in der Oikos Church, welche schweizweit Kirchgemeinden hat und weiterwächst. In der Iglesia Cristiana Vida Eterna treffen sich Spanischsprachige am Samstagabend zum Gottesdienst und verschiedenen Programmen. Für Reformierte aus Korea ist die Hansomang-Gemeinde zuständig. Es gibt sogar einen Kirchenchor, der aus professionellen Musikerinnen und Sängern besteht. In der Internationalen Gemeinde Christi finden Menschen von verschiedenen kulturellen Hintergründen ein spirituelles Zuhause. Seit Juni 2018 ist mit der Bethel Evangelische Gemeinde Zürich eine neue Migrationskirche im ZMK. In dieser Kirche treffen sich amharisch-sprechende Menschen, welche vor allem aus Äthiopien stammen. Sie konnten die Räume von dem englisch-sprachigen afrikanischen Divine Power Restoration Center übernehmen, weil sich die Kirche mit einer anderen Gemeinde zusammengeschlossen hatte.

Sprachenvielfalt unter einem Dach

So feiern Sonntag für Sonntag fast acht Kirchen im Kirchgemeindehaus ihren Gottesdienst. Am Morgen vier Kirchen und am Nachmittag zwei. Die Gottesdienste sind sehr unterschiedlich und stark durch die Kultur der Ursprungsländer der Mitglieder geprägt. Musik, Singen und langes Beten ist in fast jeder Kirche wichtig. Manchmal mit vielen Instrumenten wie zum Beispiel Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass oder Keyboard, und manchmal wird einfach nur mit einer Gitarre begleitet.
Unter der Woche finden hauptsächlich an den Abenden Bibel- und Gebetstreffen statt oder die Jugendlichen haben ihr eigenes Programm. Weil viele der Mitglieder nicht in Zürich oder im Quartier wohnen, haben sie dementsprechend wenig Kontakt zur Nachbarschaft, was natürlich schade ist. Da die ganze Arbeit von Pfarrer, Musik-Band, Jugendarbeitenden, Buchhaltung und so weiter durch Freiwillige abgedeckt wird, sind auch die zeitlichen Ressourcen limitiert. Die meisten Pfarrer arbeiten unter der Woche und setzen sich in ihrer Freizeit für die Kirchgemeinden ein. So leben die Kirchen, welche sich als Vereine organisierten, auch ausschliesslich von privaten Spenden der Mitglieder. Der Reformierte Stadtverband vermietet die Räume zu günstigen Konditionen, damit die Migrationskirchen ihre Ressourcen für die Gemeindearbeit nutzen können.

Einheit in der Vielfalt

Die Kirchen feiern jedoch nicht nur für sich alleine in der Muttersprache der Mitglieder. Einmal im Jahr gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst, an welchem alle Kirchgemeinden teilnehmen. Dieser findet jeweils am 1. Advent statt und jährt sich am 2. Dezember 2018 zum zehnten Mal. An diesem Sonntag wird das Zehn-Jahre-Jubiläum gefeiert. In diesem Gottesdienst wird in verschiedenen Sprachen gesungen, gebetet und gepredigt – so lebt die Gottesdienstgemeinde in dieser Feier die Einheit in der Vielfalt ganz konkret. Dieser, wie auch alle anderen Gottesdienste, sind öffentlich und dürfen jederzeit besucht werden.
Die Koordinationsstelle, seit Herbst 2014 von Pfarrerin Dinah Hess besetzt, kümmert sich nicht nur um die Abläufe und das Zusammenleben im Haus. Die Koordinatorin ist auch für die Beratung von Schweizer Kirchgemeinden zuständig, welche im Raum Zürich mit Migrationskirchen zusammenarbeiten. Sie berät auch Migrationskirchen, hilft bei der Raumsuche und organisiert Begegnungs- und Informationsanlässe. Oftmals entstehen Probleme und Missverständnisse in der Zusammenarbeit durch die kulturellen Unterschiede der Schweizer Kirchgemeinden und der Migrationskirchen. In der Arbeit der Koordinatorin ist das Wissen zum Christentum und der Theologie ausserhalb von Europa nötig. Um interkulturell vermitteln zu können, pflegt die Koordinatorin Beziehungen zu vielen Migrationskirchen im Raum Zürich. Denn die verschiedenen Traditionen und Bräuche werden am besten in der persönlichen Begegnung und mit Besuchen von Gottesdiensten kennengelernt und verstanden.

Theologische Weiterbildung für alle – Ausblick

Damit das Verständnis in der Bevölkerung wachsen kann und Migrantinnen und Migranten auch über unsere Schweizer Kirchen- und Religionslandschaft Bescheid wissen, wird eine theologische Weiterbildung an der Universität Basel angeboten, das «CAS Interkulturelle Theologie und Migration». In dieser Weiterbildung nehmen Leute aus verschiedenen Kirchen und Kulturen teil. Das Thema Migration und Migrationskirchen wird die Reformierte Kirche in Zürich auch in Zukunft begleiten. Denn die Christinnen und Christen kommen aus allen Kontinenten in die Schweiz, und die Reformierte Kirche in Zürich will auch diesen Menschen ein kirchliches, spirituelles Zuhause bieten, im Kirchgemeindehaus Wipkingen oder in anderen Kirchen.
Wer Lust hat, sich das Zentrum für Migrationskirchen anzusehen, darf sich gerne bei der Koordinatorin melden, an einem der vielen Sonntagsgottesdienste teilnehmen oder am Sonntag, 26. August, zum Sommerfest kommen: Ab 12.30 Uhr auf der öffentlichen Terrasse des Kirchgemeindehauses Wipkingen. Dort heisste es: Herzlich willkommen! Bienvenue! வரவேற்பு! Welcome! أهْلاً وَسَهْلاً! Bienvenido! 환영합니다! Bem-Vindo! ጤናይስጥልኝ! Tervetuloa!

Dinah Hess, Koordinatorin Zentrum für Migrationskirchen

Mehr Informationen unter www.migrationskirchen.ch

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