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EVP

Zürich hat ein Graffiti-Problem

26. September 2018 von

Claudia Rabelbauer, EVP
Foto: zvg

Claudia Rabelbauer, EVP

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Online seit
26. September 2018

Printausgabe vom
27. September 2018
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Zürich ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität. Vieles im Bereich der städtischen Verwaltung und Organisation läuft reibungslos. Die sprichwörtliche, schweizerische Sauberkeit widerspiegelt sich im urbanen Umfeld jedoch kaum. Abfallberge, Vandalismus und Graffiti prägen je länger je mehr das Stadtbild. Die Behörden sehen hilflos zu. Wo soll das enden?

Touristen, die von der sprichwörtlich schweizerischen Sauberkeit gehört haben, stellen verblüfft fest, dass dies zumindest in den Städten nicht der Realität entspricht. Laut der neuesten Umfrage unter Expats des Netzwerks Internations fallen die Abfallberge und Graffiti negativ auf. Wer sich vom blinden Fleck löst und die Stadt nach Graffiti und Sprayereien absucht, wird rasch fündig. Strassenlampen, Ampeln, Blitzkästen, Garagentore, Hauswände, Mauern, Fassaden, die Liste liesse sich beliebig erweitern. Es gibt bald kein Quartier und keine Strassenzüge oder öffentliche Plätze mehr, die nicht von Graffiti betroffen sind.

Graffiti unmittelbar entfernen greift zu kurz

Die Verwaltung hat in den letzten Jahren viel gegen Graffiti und Schmierereien unternommen. Ihre Devise, die illegalen Graffiti bei städtischen Gebäuden unmittelbar zu entfernen, zeigt eine gewisse Wirkung. Sprayer sind Selbstdarsteller und verlieren das Interesse, wenn ihr Graffito entfernt wird. Viele Liegenschaften gehören jedoch Privaten und diese haben oft nicht die Zeit, das richtige Know-how oder das nötige Geld, um rasch zu handeln. Bleiben Graffiti länger haften, erhöht sich das Risiko, dass weitere hinzukommen. Im Nu wirkt eine neue Häuserfassade heruntergekommen und schmuddelig. Die Stadt müsste Private bei der Bekämpfung von Graffiti mehr unterstützen, denn der öffentliche Raum geht uns alle etwas an. Eine schmuddelige Umgebung vermindert das subjektive Gefühl von Sicherheit und Wohlbehagen.

Sozialstunden, nicht nur Geldbussen

Die meisten Sprayer sind zwischen 13 und 21 Jahre alt. Die Koordination zwischen Hochbauamt und Polizei sowie Schule und Jugendsozialbehörde wäre nötig, um Jugendliche darüber aufzuklären, was Sachbeschädigung für juristische Folgen nach sich ziehen und sie zu einem sorgfältigen Umgang mit privatem Eigentum zu bewegen. Nebst Geldbussen wären geleistete Sozialstunden, in denen die Graffiti eigenhändig weggeschruppt werden müssten, abschreckender. Ebenso müssten die beiden Fussballclubs in die Pflicht genommen werden, da gerade ihre Fans die Stadt mit den entsprechenden Kritzeleien zupflastern.

Mehr legale Sprayflächen für Graffiti definieren

Graffiti ist Kunst. Und Kunst im öffentlichen Raum ist erwünscht, aber gezielt. Die Stadt hat bereits Freiflächen für Sprayer definiert wie zum Beispiel am Letten. In Zusammenarbeit mit Graffiti-Künstlern könnten legale Sprayflächen erweitert werden. Es braucht jedoch ein verbindliches Commitment darüber, was erlaubt und erwünscht wäre, aber auch, was untersagt und konsequent geahndet würde. Das illegale Sprayen einzudämmen, gar in den Griff zu bekommen, ist nicht leicht. Es braucht neue Lösungsansätze. Die EVP wird entsprechende Vorstösse im Gemeinderat einreichen, um wieder Bewegung in die Bekämpfung von illegalem Sprayen zu bringen.

Claudia Rabelbauer, Gemeinderätin EVP

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