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Katholische Pfarrei Guthirt

Zusammenspiel

25. September 2019 von

Von

Online seit
25. September 2019

Printausgabe vom
26. September 2019
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Liebe Wipkingerinnen und Wipkinger

Spielen Sie auch ein Instrument? Oder singen Sie voller Freude in einem Chor mit? Als 13-jähriger Oberstufenschüler trat ich vor vielen Jahren der Feldmusik Nebikon/LU bei. Der damalige Dirigent, Josef Keist, fragte uns einmal an einer Probe: Was ist das Wichtigste bei der Musik?
Es folgten einige Vorschläge, meist technischer Art. Der Dirigent sagte dann: Das Hören!
Auf das Hören kommt es im Zusammenspiel an. Nur der Musiker oder der Sänger, welcher intensiv hört, kann den Ton der Melodie gut intonierend aufnehmen, begleiten oder solieren. Das Tutti gewaltig erklingen lassen im Fortissimo der Freude oder in den melodramatischen Mollakkorden der Traurigkeit oder des Schmerzes gefühlsbetont musizieren. Ja, letztlich kann nur der, der gut hört, sich gut einbringen und zurücknehmen, feinfühlig begleiten, wo es notwendig ist und dann voller Mut und Kraft die Melodie übernehmen, solieren, wo es der Part und die Situation des Stückes verlangt.
Das ist übrigens nicht nur bei der Musik so, meinte der Dirigent. Diese Weisheit gilt auch für das Zusammenleben. Das Hören, einander wirklich hören, ist die Basis jeglicher Beziehung, jeglicher Nähe, jeglichen Zusammenspiels.
Viele Menschen hören heute nicht mehr gut. Nicht nur akustisch, sondern eben im Herzen. Die Taubheit der Gefühle verhindert manchmal, auch ganz ungewollt, tiefstes Glück und gelingendes gemeinschaftliches Zusammenspiel. Der Dirigent sah uns in die Augen und meinte: An dieser Basis, am Hören, muss und darf man in der Musik und im Alltag immer wieder arbeiten. Man(n) oder frau hat dabei nie ausgelernt. Und man kann bis ins hohe Alter immer wieder lernen, neu beginnen, neue Verknüpfungen in unserer Gedankenwelt schaffen. Ja, Hören, das ist ein bisschen die Musikschule des Lebens!

Wir schwiegen damals alle betroffen. Jung und Alt spürten in diesem Moment eine grosse Tiefe und das Zusammenspiel an jener Probe war so gut wie noch nie vorher. Ich habe mir für mich ganz fest vorgenommen, auf dieses Hören im Alltag wieder ganz neu fokussiert zu achten. Auf das, was die Mitmenschen mündlich oder nonverbal sagen und auf das, was mein Herz mir im Dauerlauf des Alltages mitteilt. Machen Sie auch mit? Beim vertieften Hören und der Musikschule des neuen und achtsamen Zusammenspiels?

Beat Häfliger, Pfarrer

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