Quartierleben
Garantiert ohne Nebenwirkungen
«OptiStop» garantiert keinerlei physikalische, chemische oder biologische Wirkung. Oder besser gesagt: Die Dragees bekämpfen absolut nichts. Aber sie sollen zum Ankommen im Hier und Jetzt einladen. Ihr Ursprung liegt in Wipkingen.
2. April 2025 — Redaktion Wipkinger
Eine Packung, 18 Dragees – das ist «OptiStop». Die Beschreibung macht neugierig: Es wird eingenommen wie ein Arzneimittel, ist jedoch keines, denn es enthält «garantiert» keine Wirkstoffe. Und doch hat es ein klares Ziel: «OptiStop» ist ideal gegen alle unnötigen Verbesserungsbemühungen. Laut Packungsbeilage empfiehlt sich die Einnahme, wenn nichts optimiert werden kann oder soll.
«Die Welt braucht OptiStop», heisst es auf der zugehörigen Website. Das ist die Überzeugung des Wipkinger Künstlers Christoph Zihlmann. Bereits 2018 berichtete die «Wipkinger Zeitung» über seine Ausstellung «Was weiter lebt», ein bewegendes Projekt im Krematorium Nordheim. Die Installation – auf die Glasfenster des Innenhofs gemalte Porträts Verstorbener kombiniert mit Texten von Lebenden – hinterliess Eindruck.
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Zihlmanns neues Projekt nimmt eine andere Richtung, regt aber ebenso zum Nachdenken an und schlägt eine Brücke zum Theater. Zum einen das Produkt selbst: die Schachtel mit Beipackzettel (siehe Foto). Hinzu kommt die bereits erwähnte Website (www.optistop.ch), welche die Dragees sowie Präsentationen bewirbt, in denen der gebürtige Luzerner als Marketing-Direktor von «nixpharm» auftritt.
Dabei stellt er die Entwicklung des Medikaments und dessen Hintergründe vor. Die Präsentation ist zugleich heiter und ernst. Anschliessend sind die Anwesenden eingeladen, sich auszutauschen – und erhalten Gratismuster.
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Ankommen und verweilen
Die Idee zu «OptiStop» reifte über mehrere Jahre, wie Zihlmann dem «Wipkinger» erzählt. Der Mensch in der westlichen Kultur werde als «Mangelwesen» verstanden. Ständig müsse man sich verbessern, die Gesellschaft verlange kontinuierliche Weiterentwicklung. Immer komme Neues hinzu, Wachstum sei gefragt.
Warum also nicht innehalten? Der Mensch, so Zihlmann, sei im Grunde ausserhalb des Systems von Machen und Effizienz zuhause. So entstand «OptiStop»: «Es ist ideal gegen alle unnötigen Verbesserungsbemühungen und überflüssigen Meinungen», sagt der Künstler. «OptiStop» lade dazu ein, einfach anzukommen und zu verweilen.
Denn wer nur darauf fokussiert ist, wer er sein möchte – oder sein sollte –, verliere leicht das Verständnis dafür, wer er im gegenwärtigen Moment eigentlich ist. Die Packungsbeilage bringt es auf den Punkt: «In vielen Situationen Ihres Lebens gibt es nichts zu verbessern. Nicht, weil Ihr Leben immer optimal ist, sondern weil es real, zuverlässig und auf natürliche Weise kraftvoll ist – so, wie es gerade ist.»
Ausstellungen & Präsentationen
Präsentation OptiStop
Donnerstag, 15. Mai, 18 Uhr
Donnerstag, 18. September, 18 Uhr
Im Atelier für Kunst und Philosophie, Albisriederstrasse 162, 8003 Zürich
www.kunstundphilosophie.ch
Christoph Zihlmann im Musée Visionnaire
In der Ausstellung «LANDSSICHTSSACHE» sind einige Bilder von Christoph Zihlmann zum Thema «Zürich-Sarajevo» zu sehen.
Mittwoch, 2. April, bis 12. Oktober
Musée Visionnaire, Predigerplatz 10, 8001 Zürich
Ausserdem mit Build the Earth, Dani Schwander, Andrés Fernández, Samuel Herzog, Julia Krause-Harder, Rimini Protokoll und Maurizio Zappon.
www.museevisionnaire.ch
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